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Attendorns Geschichte: Stadtrecht, Hanse und Wiederaufbau

Attendorn entwickelte sich an einem wichtigen Verkehrsknoten im südlichen Sauerland. Die Stadtgeschichte reicht von einer frühmittelalterlichen Siedlung über die Verleihung des Soester Stadtrechts bis zur Handelsblüte des Mittelalters. Urkunden, Kirchen, Teile der Stadtbefestigung und Spuren schwerer Zerstörungen erzählen von wechselnden politischen Aufgaben und einem wirtschaftlichen Aufstieg, der Attendorn weit über die Region hinaus bekannt machte.

St. Johannes Baptist Die Kirche St. Johannes Baptist war schon im Mittelalter Pilgerstätte Foto: Markus Lenk

Frühe Siedlung und Stadtrecht

Die Attendorner Mulde war wegen ihrer Lage, ihrer Böden und ihrer Verkehrswege schon früh ein geeigneter Siedlungsraum. Eine stärkere Besiedlung ist seit dem frühen Mittelalter nachgewiesen. Attendorn entstand aus einer dorfartigen Siedlung am Schnittpunkt zweier Fernstraßen. In der Regierungszeit Karls des Großen gab es hier bereits eine Urpfarrei. Unter dem gotischen Langhaus der heutigen Pfarrkirche St. Johannes Baptist liegen noch Fundamente einer älteren Missionskirche, von der aus die Christianisierung der Umgebung ausging.

Als Erzbischof Anno von Köln 1072 das Kloster Grafschaft gründete, stattete er es mit der Kirche und einem Hof in Attendorn aus. Der Ortsname erscheint in diesem Zusammenhang als „Attendarra“. Mit der Entwicklung eines Marktes und dem Bau von Befestigungen wuchs die Bedeutung der Siedlung. 1222 erhob Erzbischof Engelbert I. von Berg Attendorn durch die Verleihung des Soester Stadtrechts zur Stadt. Die Befestigung und die nahe Burg Schnellenberg, deren Errichtung um 1200 begann, sicherten die kurkölnische Stellung im südlichen Westfalen.

Zünfte, Handel und Wohlstand

Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte Attendorn eine Blütezeit. Neun Zünfte trugen zum wirtschaftlichen Leben bei; besonders wichtig waren Woll- und Leineweber. Als Grenzfeste gegenüber der Grafschaft Mark und als Sitz eines bedeutenden Dekanats nahm die Stadt außerdem eine wichtige politische und kirchliche Stellung ein. 1255 trat Attendorn als einzige Stadt des Sauerlandes dem Rheinischen Städtebund bei, dem rund 60 bedeutende Städte des Reiches angehörten.

Auch der Fernhandel prägte die Stadt. Attendorn war mittelbares Mitglied der Städtehanse und wurde auf den großen Hansetagen durch Soest vertreten. Attendorner Kaufleute sind im Ostseeraum, in Flandern und in England belegt; in London unterhielten sie sogar einen ständigen Vertreter. Die Stadt prägte bereits um 1200 als erzbischöfliche Münzstätte eigene Münzen. Mittelalterliche Stücke aus Attendorn wurden von Brüssel über das heutige Polen bis nach Gotland gefunden. Stiftungen wohlhabender Familien finanzierten unter anderem kirchliche Einrichtungen und die Kreuzkapelle an St. Johannes Baptist.

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Konflikte und Stadtbrände

Attendorns Wohlstand und Lage brachten auch Konflikte mit sich. In der Soester Fehde halfen die Attendorner 1444/45 bei der Eroberung der Burg und des Landes Bilstein. Später schwächten Kriege und politische Auseinandersetzungen die Stadt. Die Pest suchte sie 1464, 1597, 1598 und 1613 heim. Mehrere Brände zerstörten Teile des Stadtkerns; das Großfeuer von 1783 vernichtete 246 Häuser sowie die Pfarrkirche mit Turm und Chor, das Rathaus, die Klosterkirche und das Franziskanerkloster.

Die napoleonische Zeit markierte einen Tiefpunkt, von dem sich Attendorn erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erholte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt am 28. März 1945 bombardiert. Eine Munitionsexplosion am 15. Juni 1945 beschädigte das Zentrum zusätzlich. Die Sehenswürdigkeiten in Attendorn verbinden erhaltene historische Bauten mit einer Stadt, die nach mehreren Einschnitten wiederaufgebaut wurde.

Die Entwicklung zur heutigen Hansestadt

Am 1. Juli 1969 wurden die Gemeinden Attendorn-Land und Helden – mit Ausnahme der Gebiete Heggen und Oberveischede – mit der alten Stadt zur heutigen Stadt Attendorn zusammengelegt. Damit umfasst der Name Attendorn sowohl den historischen Stadtkern als auch zahlreiche Dörfer und Wohnplätze. Die Ortsteile der Hansestadt bewahren eigene Siedlungsgeschichten und ergänzen den Blick auf die Entwicklung der Stadt.

Wer historische Stationen mit Bewegung in Stadt und Umgebung verbinden möchte, findet passende Anregungen bei Sport und Aktivitäten in Attendorn.