Burgen und Schlösser im Sauerland
Burgen und Schlösser im Sauerland machen unterschiedliche Kapitel regionaler Geschichte sichtbar. Einige waren befestigte Sitze regionaler Herrschaft, andere wurden später zu Amtsburgen oder Verwaltungszentren. Bei Schlossruinen steht heute die erhaltene Bausubstanz im Vordergrund; genutzte Schlossanlagen zeigen dagegen, wie sich repräsentatives Wohnen und heutige Nutzungen verbinden. Museumsbesuch, Herbergsaufenthalt, Spaziergang zu einer Ruine und vereinbarte Schlossbesichtigung sind unterschiedliche Arten, dieses Erbe zu erleben.
Schlösser und Burgen gehören zu den Ausflugszielen im Sauerland
Foto: Alesia Belaya
Für einen ersten Vergleich lohnt der Blick auf den heutigen Charakter: Burg Altena und Burg Bilstein sind erhaltene Anlagen mit musealer beziehungsweise herbergsbezogener Nutzung. Rappelstein und Eversberg verbinden Mauerreste mit Aussicht; Schwarzenberg bewahrt neben Grundmauern einen rekonstruierten Wartturm. Waldenburg und Hachen liegen als Ruinen in enger Beziehung zu Wald und Wasserlandschaft. Schloss Melschede und Schloss Wocklum stehen für barocke Wohnsitze; Körtlinghausen ist eine private Anlage mit Besichtigungen nach Vereinbarung. Rüdenburg und die Schlossruine Arnsberg wiederum sind zwei eigenständige Orte auf gegenüberliegenden Arnsberger Bergkuppen.
Höhenburgen zwischen Lenne, Veischedetal und Rothaargebirge
Burg Altena erhebt sich über der Lenne und verbindet mittelalterliche Herrschaft mit einer ungewöhnlich prägenden Nutzungsgeschichte. Nach dem Verfall wurde die Anlage zwischen 1907 und 1914 historistisch wiederaufgebaut; 1914 eröffnete hier die erste ständige Jugendherberge der Welt. Heute sind deren ursprüngliche Räume als Museum erhalten. Burg Altena ist deshalb zugleich Höhenburg, Regionalmuseum und Erinnerungsort der Jugendherbergsbewegung – ein anderer Schwerpunkt als bei Anlagen, deren Mauern vor allem als Ruine sichtbar sind.
Burg Bilstein wurde im 13. Jahrhundert zum Sitz eines Edelherrn von Gevore, der seinen früheren Sitz verließ und den Namen Bilstein annahm. Nach der Eroberung von 1445 kam das Amt Bilstein unter kurkölnische Herrschaft. Heute ist die Burg eine Jugendherberge. Ihre historische Funktion als Herrschaftssitz und ihre gegenwärtige Nutzung als Herberge greifen hier direkt ineinander; der Ort eignet sich damit besonders für den Vergleich von mittelalterlichem Burgbau und lebendig genutzter Anlage.
Über der Kirche in Nordenau steht der quadratische Turm der Burg Rappelstein. Adolf I. von Grafschaft ließ die Burg 1260 errichten; ihre Lage war mit der alten Heidenstraße und dem Femegericht verbunden. Der Bergfried mit zwölf Meter langen Seiten und etwa 2,5 Meter starken Grauwackemauern wurde 1967 als Aussichtspunkt hergerichtet. Der einzelne Turm prägt hoch über dem Dorf das Bild der früheren Anlage. Die Sehenswürdigkeiten in Schmallenberg ergänzen den Blick auf Nordenau um weitere Ziele der Stadt und ihrer Ortsteile.
Ruinen mit Aussicht und eigener Ortsgeschichte
Bei der Burgruine Eversberg gehören Burg und Stadtgründung zusammen: Graf Gottfried III. von Arnsberg gründete beides 1242 und verlieh Eversberg Stadtrechte nach dem Vorbild Lippstadts. Erhalten sind vor allem Reste des Bergfrieds und anschließende Grundmauern; die Ruine wurde zum Aussichtsturm ausgebaut. Das macht Eversberg zu einem guten Ziel für alle, die nicht nur einen Wehrbau, sondern auch einen historischen Ortskern auf einem Bergkegel kennenlernen möchten. Die Bergstadt ergänzt Kultur und Sehenswürdigkeiten in Meschede um ein historisches Ensemble aus Gassen, Fachwerk und Burgberg.
Die Burgruine Waldenburg liegt oberhalb der Waldenburger Bucht am Biggesee, nahe der Waldenburger Kapelle. Die Höhenburg ist als Ruine über der Talsperre erhalten; ihr Reiz ergibt sich aus der Verbindung von Waldhang und Wasserlandschaft. Am Biggesee verbindet sich ein Aufenthalt am Ufer mit dem Aufstieg durch den Wald; die Ruine selbst bleibt dabei ein eigenständiges historisches Ziel über der Bucht.
Auch die Burgruine Hachen ist eng mit ihrer Umgebung verbunden. Die Burg wechselte 1232 an Graf Gottfried II. von Arnsberg und gelangte 1368 mit arnsbergischem Besitz an das Erzstift Köln. Archäologisch lassen sich Bauphasen vom 12./13. bis ins 15. Jahrhundert unterscheiden; die verschiedenen Bauphasen machen die Entwicklung der Befestigung im Gelände nachvollziehbar. Hachen liegt rund drei Kilometer vom Sorpesee entfernt und verbindet Ortsgeschichte mit einer bewaldeten Landschaft nahe der Talsperre.
Die Burgruine Schwarzenberg entstand 1301 im Auftrag Eberhards II. von der Mark und wurde zum Mittelpunkt märkischer Verwaltung im Raum Plettenberg. Ein Brand von 1864 ließ Grundmauern zurück; dazu kommt der auf historischen Fundamenten rekonstruierte Wartturm. Anders als bei Rappelstein dominiert hier nicht allein der Aussichtsturm, sondern das Zusammenspiel von Wehr- und Wohnbau-Resten mit einer später wiederaufgebauten Landmarke. Die Geschichte der Anlage erschließt sich damit besonders über die politische Bedeutung für die Grafschaft Mark.
Zwei Burgen über Arnsberg – und verschiedene Arten von Ruine
Rüdenburg und die Schlossruine Arnsberg sind nicht dieselbe Anlage: Die Rüdenburg, auch Alte Burg genannt, entstand um 1060 auf dem Römberg; um 1100 kam auf der gegenüberliegenden Bergkuppe eine zweite Burg hinzu. Von der Rüdenburg sind unter anderem Teile der Ringmauer, des Bergfrieds und der Wohngebäude sichtbar. Die Befunde lassen eine gegliederte Burg mit Vor- und Hauptburg erkennen. Die beiden Höhen markieren unterschiedliche Abschnitte der Geschichte Arnsbergs, vom frühen Grafensitz bis zur späteren Residenzstadt.
Die Schlossruine Arnsberg war hingegen ein repräsentativer Sitz der Grafen von Arnsberg und später Herrschaftszentrum des Herzogtums Westfalen. Nach Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert ließ Kurfürst Clemens August die Anlage zwischen 1730 und 1735 nach Plänen Johann Conrad Schlauns prächtig ausbauen. 1762 wurde das Schloss im Siebenjährigen Krieg zerstört. Heute steht die Ruine im Stadtraum von Arnsberg und erzählt von einem barocken Schloss, dessen frühere Größe sich aus seiner politischen Rolle und seiner Baugeschichte erschließen lässt.
Das Jagdschloss Herdringen steht im gleichnamigen Arnsberger Stadtteil. Seine heutige Gestalt ist vom 19. Jahrhundert geprägt. Die ältere Kettelburg wird bereits 1376 erwähnt. Das heutige Jagdschloss wurde nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner im englischen Tudorstil errichtet. Als neugotisches Herrenhaus hebt sich die Anlage klar von den mittelalterlichen Höhenburgen und Ruinen der Umgebung ab. Seine historistische Architektur lenkt den Blick auf eine jüngere Schlossform und ergänzt den Vergleich der regionalen Adelssitze um einen eigenen Zugang. Die Baugeschichte macht den Wechsel vom älteren Adelssitz zum repräsentativen Schloss des 19. Jahrhunderts nachvollziehbar.
Barocke Wohnsitze im Tal und in der Landschaft
Schloss Wocklum liegt im Tal des Orlebachs und gilt als westfälisch-barocke Schlossanlage. Torhaus, erhaltene Gräften, Schlossgarten und die Gräber der Schlosseigner machen das Ensemble räumlich lesbar. Der Besitz ist seit dem 17. Jahrhundert mit der Familie von Landsberg-Velen verbunden. Im Unterschied zu den frei sichtbaren Ruinen wird das Schloss von der Familie als privater Wohnsitz genutzt; die repräsentativen Räume und das Gelände haben eine andere Gegenwart als eine öffentlich als Aussichtspunkt ausgebaute Burgstelle.
Schloss Melschede in Sundern-Hövel wandelte sich von einer mittelalterlichen Vogtei zu einer barocken Vierflügelanlage, die im 19. Jahrhundert zur offenen Dreiflügelanlage umgestaltet wurde. Eine englisch geprägte Parklandschaft blieb zu großen Teilen erhalten. Bemerkenswert ist außerdem die Hauskapelle St. Antonius im Obergeschoss des Südflügels mit ihrer originalen Stuckdecke von 1670. Die weiteren Sehenswürdigkeiten in Sundern verbinden das Schloss mit Dorfkernen, historischen Bauwerken und dem Sorpesee.
Schloss Körtlinghausen liegt im Glennetal zwischen Rüthen und Warstein. Die Anlage wird als Veranstaltungs- und Filmlocation genutzt; Gruppen können sie nach schriftlicher Vereinbarung besichtigen. Der private Zuweg wird zu Fuß zurückgelegt. Die vereinbarte Gruppenbesichtigung richtet den Blick auf die besondere Architektur der Schlossanlage und ihre Einbettung in das Glennetal.
Die Auswahl lässt sich daher nach dem gewünschten Erlebnis treffen: Museumsbesuch und die erste ständige Jugendherberge führen nach Altena, ein Aufenthalt als Herbergsgast nach Bilstein, Turm und Aussicht nach Nordenau oder Eversberg. Schwarzenberg verbindet Grundmauern mit einem rekonstruierten Wartturm. Waldenburg und Hachen verbinden Burgruinen mit Seen- und Waldlandschaften; Arnsberg bietet zwei klar getrennte Burgplätze sowie das Jagdschloss Herdringen. Wocklum, Melschede und Körtlinghausen stehen für Schlossanlagen, deren Wohn- und Nutzungsgeschichte jeweils andere Formen angenommen hat.