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Möhnetalsperre: Staumauer, Geschichte und Freizeit am Möhnesee

Der Möhnesee liegt am westlichen Rand des Naturparks Arnsberger Wald in der Gemeinde Möhnesee im Kreis Soest. Die Möhnetalsperre prägt die Landschaft und erfüllt zugleich eine wichtige Aufgabe für die Wasserwirtschaft im Ruhrgebiet. Am Ufer verbinden sich ein technisches Bauwerk, offene Wasserflächen und bewaldete Abschnitte zu einem vielseitigen Ziel für Natur- und Geschichtsinteressierte ebenso wie für aktive Ausflüge.

Möhnetalsperre aus der Luft Möhnetalsperre aus der Luft

Eine Talsperre für die Ruhr

Der Ruhrverband betreibt die Möhnetalsperre zur Steuerung der Wasserführung der Ruhr. Das Wasser wird im Hauptkraftwerk unterhalb der Staumauer zur Stromerzeugung genutzt; die Energiegewinnung ist eine Nebennutzung der wasserwirtschaftlichen Aufgabe. Die Bruchstein-Gewichtsstaumauer ist 650 Meter lang und bis zu 40 Meter hoch. Bei Vollstau fasst die Talsperre 134,5 Millionen Kubikmeter Wasser. Der Möhnesee umfasst 1.037 Hektar Wasserfläche, erstreckt sich über acht Kilometer und erreicht bei Vollstau eine Tiefe von bis zu 32 Metern.

Die Talsperre wurde von 1908 bis 1913 errichtet. Bei ihrer Fertigstellung galt sie mit rund 130 Millionen Kubikmetern Stauraum als größte Stauanlage Europas. Die von Franz Brantzky entworfene Sperrmauer mit ihren Torbögen ist heute denkmalgeschützt. Im Stauwurzelbereich wurden außerdem Vorbecken an Möhne und Heve angelegt. Sie schaffen dort eigene Wasserbereiche und halten den Wasserstand in den flachen Zuflüssen vergleichsweise gleichmäßig.

Wie die Staumauer Wasser abgibt

Im Normalbetrieb fließt das abgegebene Wasser zunächst in ein Kraftwerk unterhalb der Mauer. Danach gelangt es in einen Ausgleichsweiher; von dort wird die Wasserabgabe über den Tag verteilt in die Möhne weitergeführt. Ein zweites Kraftwerk nutzt auch diesen Abfluss zur Stromerzeugung. Die Hochwasserentlastung liegt in der Mauerkrone: 105 Öffnungen verteilen sich über eine Gesamtlänge von 262,5 Metern. Bei Überlauf wird dadurch ein großer Teil der Krone vom Wasser überströmt. Die raue Außenseite der Mauer und der Ausgleichsweiher helfen, die Energie des herabströmenden Wassers abzubauen. So lässt sich die sichtbare Staumauer auch als Teil eines abgestimmten Systems aus Speicher, Wasserabgabe und Energiegewinnung verstehen.

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Die Möhnekatastrophe und der Wiederaufbau

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 griffen britische Streitkräfte die Talsperre mit sogenannten Rotationsbomben an. Eine Bombe überwand die Fangnetze und riss eine etwa 77 Meter breite Lücke in die Staumauer. Weil der See zu diesem Zeitpunkt voll gefüllt war, strömten in wenigen Stunden mehr als 100 Millionen Kubikmeter Wasser ins Ruhrtal. Mindestens 1.500 Menschen kamen ums Leben; besonders schwer traf die Flut ein Kriegsgefangenen- und Arbeitslager unterhalb der Sperre. Gedenkorte in Himmelpforten und Neheim erinnern an die Opfer.

Der Wiederaufbau begann wenige Tage nach dem Angriff. Die Reparaturarbeiten wurden unter dem NS-Regime auch von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern ausgeführt. Im September 1943 wurde die Staumauer wieder eingestaut. Weitere Arbeiten an den Grundablässen und den Kraftwerken folgten in den Jahren danach. Die Geschichte der Talsperre umfasst deshalb sowohl ihre wasserwirtschaftliche Bedeutung als auch die Folgen des Krieges und die Ausbeutung der zur Arbeit gezwungenen Menschen.

Wasser, Wege und Freizeit

Am See sind Radfahren, Angeln, Rudern, Kanufahren und Tauchen möglich. In den Sommermonaten fahren Personenschiffe über den Möhnesee. Für Besichtigungen der Talsperre ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Wer baden möchte, nutzt eine ausgewiesene Badestelle; die Freizeitkarte des Ruhrverbands zeigt die zugelassenen Bereiche. Auch fürs Tauchen gibt es einen festgelegten Platz: Er liegt am Südufer westlich der Delecker Brücke in der Delecker Bucht und ist durch Bojen abgegrenzt.

Die Uferlandschaft lässt sich je nach Abschnitt mit Spaziergängen, Radtouren oder längeren Naturausflügen erkunden. Der Naturpark Arnsberger Wald bietet die passende Einordnung für die Wälder und Naturräume im westlichen Sauerland. Wenn Sie mehrere Stauseen vergleichen möchten, erleichtert die Übersicht zu Seen und Talsperren im Sauerland den Einstieg. Der Hennesee bei Meschede und der Biggesee bieten weitere Stauseeziele im Sauerland.

Für einen Aufenthalt direkt in der Umgebung finden Sie Unterkünfte am Möhnesee. So lassen sich Ausflüge am Wasser mit den Zielen im Naturpark und den Orten rund um den See verbinden.

Foto: Wikipedia