Geschichte von Brilon
Im Jahr 973 wurde die „Villa Brilon“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Siedlung lag im Bereich des heutigen Altenbrilon. Kaiser Otto II. bestätigte damals Besitzungen des Erzstifts Magdeburg in Westfalen. Durch Tausch gelangte der Briloner Besitz später an die Paderborner Kirche. Um 1220 erwarb der Kölner Erzbischof Engelbert die Rechte an der Briloner Gemarkung, gründete die Stadt und ließ sie mit starken Befestigungsanlagen sichern. So entstand ein städtischer Mittelpunkt, dessen Lage Handel und Handwerk begünstigte.
Briloner Stadtwappen
Handel, Hauptstadt und Zeiten des Umbruchs
Im 13. und 14. Jahrhundert wuchs Brilon durch Gewerbe und Handel. Um 1350 zählte die Stadt 500 bis 600 Häuser und etwa 3.000 Einwohner; in der Rangfolge der Städte des Herzogtums Westfalen nahm sie einen bedeutenden Platz ein. Nach dem Ausscheiden Soests wurde Brilon 1444 zur Hauptstadt des Herzogtums Westfalen erhoben. Die Sehenswürdigkeiten in Brilon führen zu Bauwerken und Traditionen, an denen sich diese lange Entwicklung bis heute ablesen lässt.
Die folgenden Jahrhunderte brachten wirtschaftliche Rückschläge und kriegerische Belastungen. 1632 nahmen hessische Truppen Brilon im Dreißigjährigen Krieg ein und brandschatzten die Stadt. Mehrere schwere Brände prägten das 18. Jahrhundert: 1742, 1746, 1758 und 1791 gingen zusammen 439 Wohnhäuser verloren. Bergbau und andere Erwerbszweige blieben für die Stadt und ihr Umland wichtig. Die Orte im Briloner Stadtgebiet verweisen zugleich auf die ländliche Umgebung, die eng mit der Geschichte der Kernstadt verbunden ist.
Vom Kreisstadtstatus zur modernen Stadt
1802 kam Brilon unter die Herrschaft Hessen-Darmstadts. Nach dem Wiener Kongress fiel die Stadt 1816 an Preußen; 1818 wurde sie Sitz der preußischen Kreisverwaltung. Behörden, Schulen und bessere Verkehrsverbindungen stärkten ihre Bedeutung. Land- und Forstwirtschaft, Steinbrüche und Bergwerke bildeten wichtige Erwerbsgrundlagen. Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Ansiedlung von Industrieunternehmen entwickelte sich Brilon im 19. und frühen 20. Jahrhundert weiter. Die Obere Ruhrtalbahn nahm 1873 in Brilon-Wald den Güter- und Personenverkehr auf. 1898 folgte die Verbindung Belecke–Brilon; 1900 wurde der Bahnbetrieb von Brilon-Wald bis in die Kernstadt aufgenommen. 1905 lebten rund 5.000 Menschen in der Stadt. In den 1920er und 1930er Jahren siedelten sich unter anderem die Dominit-Werke, die Accumulatorenwerke Hoppecke sowie Unternehmen der Holz- und Möbelverarbeitung an. Verkehrswege und Betriebe veränderten damit Arbeit und Siedlungsentwicklung.
Der Zweite Weltkrieg forderte insgesamt 400 Todesopfer; bei einem Luftangriff im Jahr 1945 starben 39 Menschen. Am 29. März 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt. In den Jahren 1946 und 1947 nahm Brilon mehr als 1.600 Vertriebene und Flüchtlinge auf. Der Wiederaufbau und die Aufnahme neuer Einwohner prägten die Nachkriegszeit. 1950 zählte die Stadt 10.000 Einwohner; in den folgenden Jahrzehnten entstanden neue Wohngebiete, Straßen und öffentliche Einrichtungen. 1970 feierte Brilon das 750-jährige Stadtjubiläum. Mit dem Bau eines großen Spanplattenwerks und weiteren Ansiedlungen gewann die örtliche Industrie 1989 neue Dynamik.
Mit der kommunalen Neugliederung von 1975 schlossen sich das Amt Thülen sowie Altenbüren und Esshoff der Stadt Brilon an. Das heutige Stadtgebiet umfasst neben der Kernstadt zahlreiche Ortsteile. Wirtschaft und Gewerbe entwickelten sich weiter, zugleich gewann der Fremdenverkehr nach dem Krieg an Gewicht. 1974 erhielt Brilon die staatliche Anerkennung als Luftkurort, 2000 als Kneipp-Kurort und 2016 als Kneippheilbad. Die Stadt Brilon im Überblick stellt die heutige Stadt mit Altstadt, Wald und Ortsteilen vor.
Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht
Städtische Traditionen verbinden die historischen Epochen mit dem heutigen Leben. Der Briloner Schnadezug geht auf das Jahr 1388 zurück und wurde 1848 nach einer zehnjährigen Unterbrechung wieder gestattet. Bei der alle zwei Jahre stattfindenden Begehung wird jeweils ein Teil der Stadtgrenze erkundet. Brilon beging 2020 das 800-jährige Stadtjubiläum. Geschichte zeigt sich damit sowohl in überlieferten Bauwerken und Bräuchen als auch in der Entwicklung der Stadt und ihrer Ortsteile. Wer Brilon aktiv erleben möchte, findet bei Sport und Aktivitäten in Brilon passende Wege in die heutige Landschaft.