Dechenhöhle: Tropfsteine und Erdgeschichte in Iserlohn
In der Dechenhöhle bei Iserlohn-Letmathe treffen eindrucksvolle Tropfsteinformen auf Spuren einer viel älteren Landschaft. Der Höhlenweg führt an Sintervorhängen, Säulen und Wasserbecken vorbei; im Deutschen Höhlenmuseum kommen Kalkstein, Karst und eiszeitliche Tierfunde hinzu. Der Zugang zur Höhle erfolgt im Rahmen einer Führung. Als Teil der Höhlen im Sauerland lässt sich die Dechenhöhle mit weiteren geologisch und historisch unterschiedlichen Orten der Region vergleichen.
Wie die Dechenhöhle entstand
Die Höhle liegt in Kalkstein, einem Gestein, das im Sauerland aus mächtigen Ablagerungen eines Meeres entstanden ist. Im Museum werden Fossilien von Schwämmen, Korallen und anderen Riffbewohnern gezeigt: Sie lebten vor rund 380 Millionen Jahren in einem warmen Meer und bauten kalkige Riffe auf. Später gelangte kohlensäurehaltiges Regen- und Grundwasser durch Klüfte und Schichtfugen in das Gestein. Das Wasser löste Kalk und vergrößerte über lange Zeit vorhandene Risse und Hohlräume. So entstand ein verzweigtes Karstsystem, in dem Wasser heute noch eigene Wege nimmt.
Die Tropfsteine wachsen, wenn kalkhaltiges Wasser in die Höhle gelangt und dort Mineralstoffe zurücklässt. Von der Decke herabhängende Formen heißen Stalaktiten; am Boden aufwachsende nennt man Stalagmiten. Treffen beide aufeinander, kann eine Säule entstehen. Tropfsteine sind deshalb keine austauschbare Dekoration, sondern langsam gebildete geologische Archive: Schichten, Farben und Formen geben Hinweise auf frühere Wasser- und Umweltbedingungen. Kalkbänke, Fossilien und verschiedene Sintergenerationen lassen sich im Verlauf des Rundgangs an unterschiedlichen Stellen beobachten.
Was Tropfsteine und Fossilien erzählen
Entdeckt wurde die Höhle 1868 von Eisenbahnarbeitern; ihren Namen erhielt sie zu Ehren des Geologen Heinrich von Dechen. Im ersten Raum, der Kapelle, markieren eine Jahreszahl und ein Pfeil die Entdeckungsstelle. Im Verlauf des Besucherwegs wechseln niedrige, tunnelartige Abschnitte mit höheren Hallen. Die Orgelgrotte zeigt Tropfsteinkaskaden und Sintervorhänge, während in der Königshalle geneigte Kalkbänke und Versteinerungen erkennbar sind. In einer geologisch-paläontologischen Grabungsstelle liegen originale Höhlenbärenknochen sichtbar in den Profilwänden.
Solche Knochenfunde gehören zur Paläontologie: Sie bewahren Zeugnisse von Tieren und Lebensräumen vergangener Erdzeitalter. Im Höhlenmuseum werden unter anderem Knochen eiszeitlicher Großsäuger und ein junges Höhlenbärenskelett erläutert. Ein besonders anschauliches Exponat ist der Schädel eines Waldnashorns aus einer wärmeren Zwischeneiszeit. Auch Lehm, Geröll und ältere Sinterlagen sind wichtig, weil sie Tiere und Pflanzen einschließen oder erneut ablagern konnten. Die Funde erzählen daher nicht allein von einzelnen Arten, sondern auch davon, wie sich Höhle und Landschaft im Laufe der Zeit verändert haben.
Im ersten Museumsraum stehen Grundfragen im Mittelpunkt: Was gilt als Höhle, wo liegen Karstgebiete, wie unterscheiden sich Höhlensysteme in Ausdehnung und Gestalt? Ein Modell veranschaulicht auch das Verhältnis von Dechenhöhle und tiefer liegender Knitterhöhle. Der Museumsrundgang führt damit von allgemeiner Karstkunde zu örtlicher Forschung: erst Gestein und Höhlensysteme, danach die Formen des Besucherwegs und die Spuren früherer Tiere.
Höhlenrundgang und Museum
Die reguläre Besichtigung findet in einer geführten Gruppe statt und dauert ungefähr 40 Minuten. Der Besucherweg ist rund 550 Meter lang, davon verlaufen etwa 400 Meter innerhalb der Höhle. Er ist überwiegend horizontal, umfasst aber zwei größere Treppen mit 37 Stufen hinauf und 27 hinab; Handläufe sind vorhanden. In der Höhle herrschen etwa 10 Grad Celsius. Eine warme Schicht ist deshalb auch an Sommertagen sinnvoll. Tropfsteine, Felswände und Schalter bleiben unberührt, damit empfindliche Strukturen erhalten bleiben.
Der Besuch des Deutschen Höhlenmuseums gehört zum Höhlenrundgang; für den Museumsweg sollten mindestens 30 Minuten eingeplant werden. Vor oder nach der Führung lässt sich so nachvollziehen, wie Karst entsteht, welche Tiere in Höhlen lebten und wie Forschende Funde einordnen. Das Museum vertieft Beobachtungen aus dem unterirdischen Rundgang, während die Höhle selbst ihre räumlichen Formen und Gesteinsschichten zeigt. Der aktuelle Besucherplan der Dechenhöhle bündelt saisonale Führungszeiten und praktische Angaben.
Dechenhöhle mit der Umgebung verbinden
Oberirdisch liegt die Höhle im Grüner Tal. Die Betreiber nennen außerdem eine kurze Rundwanderung durch das Naturschutzgebiet Sonderhorst-Burgberg mit Kalkflora und einer frühmittelalterlichen Wallburganlage. Wer den Besuch verlängern möchte, kann die Hinweise zum Wandern im Sauerland für die Auswahl einer passenden Route nutzen. Für einen weiteren wetterunabhängigen Ausflug eignet sich ein Blick auf Aktivitäten bei Regen im Sauerland.
Wer den Besuch in einen größeren Sauerland-Ausflug einordnet, kann sich bei den Sauerland-Informationen zu Landschaft, Geschichte und Ausflügen weitere passende Themen erschließen. Auch die Naturparke im Sauerland führen zu unterschiedlichen Landschaftsräumen der Region. Die Dechenhöhle verbindet besonders anschaulich die Entstehung von Kalkstein und Karst, sichtbare Tierfunde und einen begleiteten Besuch.