Naturparke im Sauerland: Landschaften und Besucherziele
Im und am Sauerland treffen drei Naturparke mit eigenständigen Landschaften und Besuchsangeboten aufeinander: der Naturpark Arnsberger Wald, der Naturpark Sauerland Rothaargebirge und der Naturpark Diemelsee. Wälder zwischen Möhne und Ruhr, die großen Höhenzüge Südwestfalens und das hessisch-westfälische Diemelseegebiet prägen ihre jeweiligen Räume.
In den Naturparken des Sauerlands wird die Landschaft geschützt - das wichtigste Kapital der Urlaubsregion.
Foto: M. Lenk
Was Naturparke auszeichnet
Naturparke verbinden großräumigen Natur- und Landschaftsschutz mit Erholung, Umweltbildung und nachhaltigem Tourismus.
Naturpark Arnsberger Wald: Wald, Möhne und Ruhr
Der rund 600 Quadratkilometer große Naturpark Arnsberger Wald liegt zwischen Möhne und Ruhr. Er verbindet eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands mit dem Möhnesee und der Ruhrlandschaft bei Arnsberg. Teile des Kreises Soest und des Hochsauerlandkreises gehören zum Park; 2020 wurde fast das gesamte Stadtgebiet Arnsberg integriert. Waldwege, Talsperre und die Höhen des nördlichen Sauerlands liegen hier nahe beieinander. Der Naturpark Arnsberger Wald beschreibt diese Landschaft genauer; Informationen zum Möhnesee ergänzen den Besuch am Wasser.
Ein konkreter Ort zum Entdecken ist das Landschaftsinformationszentrum Wasser und Wald Möhnesee, kurz LIZ, in der ehemaligen Günner Mühle, Brüningser Straße 2, 59519 Möhnesee. Die rund 250 Quadratmeter große interaktive Ausstellung verteilt sich auf drei Erlebnisräume zu Wasser, Wald und Landschaft. Draußen ergänzt ein Naturgelände den Rundgang. Im Jahresprogramm stehen unter anderem Wander-, Familien- und E-Bike-Angebote; Gruppen können Naturprogramme vom Kindergeburtstag bis zum Vereinsausflug buchen. So lässt sich der Naturpark auch dann thematisch erschließen, wenn der Besuch nicht als reine Wanderung geplant ist.
Für Touren durch den Wald führt die Sauerland-Waldroute zwischen Iserlohn und Marsberg durch den Naturpark und erschließt mehrere Landschaftsabschnitte. Rund um Möhnesee und Arnsberg kommen Aussichtspunkte, Waldwege und Uferziele hinzu. Das LIZ am Seeufer bietet dazu eine verständliche Einführung in die Zusammenhänge von Wasser, Wald und Kulturlandschaft.
Naturpark Sauerland Rothaargebirge: Infozentren und Höhenwege
Mit rund 4.215 Quadratkilometern ist der Naturpark Sauerland Rothaargebirge der größte der drei Parkräume in dieser Übersicht. Er erstreckt sich über Teile des Hochsauerlandkreises, des Märkischen Kreises, des Kreises Olpe und des Kreises Siegen-Wittgenstein. Seine bewaldeten Höhenzüge und grünlandgeprägten Täler verbinden viele Städte und Dörfer. Der Park entstand 2015 aus den früheren Naturparken Homert, Ebbegebirge und Rothaargebirge sowie weiteren Flächen. Die drei Namen bleiben als Landschaftsbezeichnungen gebräuchlich: Die Profile zur Homert, zum Ebbegebirge und zum Rothaargebirge ordnen diese Teilräume in den heutigen Großraum ein. Ein Fernwanderziel in diesem Gebiet ist der Rothaarsteig.
Naturpark-Infozentren geben Einblicke in lokale Themen und helfen bei der Tourenplanung. Das offizielle Verzeichnis führt Meinerzhagen, Medebach, Bad Berleburg, Hemer, Burbach sowie die Stationen Saalhausen und Oberhundem auf. In Meinerzhagen befindet sich das Zentrum in der Tourist-Information, Zur Alten Post 1, 58540 Meinerzhagen. Auf rund 70 Quadratmetern vermittelt ein multimedialer Medientisch Natur- und Kulturerlebnisse des Parks; Karten und Faltblätter ergänzen die Ausstellung. Von nahegelegenen Wanderzugängen bei Schallershausen führen Wege auf den Sauerland-Höhenflug und den Wasser-Weitblick-Pfad Richtung Genkeltalsperre. Der Standort verfügt laut Naturpark über Parkplätze und eine Bushaltestelle.
In Medebach liegt eines der Infozentren im Obergeschoss der Tourist-Information. Dort widmet sich eine Ausstellung dem europäischen Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht. Die Stationen Saalhausen und Oberhundem machen den Lebensraum Bach, Wiesengemeinschaften und das Handwerk der Köhlerei anschaulich; der Kurpark in Oberhundem schließt an eine offene Wiesenlandschaft an. Das Naturpark-Infozentrum Bad Berleburg am Marktplatz 1a, 57319 Bad Berleburg, verbindet Informationen zur heimischen Fauna mit Beratung zum Aufenthalt. Das Bürgerhaus, in dem es untergebracht ist, wurde barrierefrei umgebaut. Eine offizielle Übersicht der Naturpark-Infozentren zeigt Standorte und Schwerpunkte.
Auch draußen gibt es konkrete Themenwege. Der Naturerlebnispfad an der Hohen Bracht beginnt am Aussichtsturm und führt über etwa 900 Meter zum Wanderparkplatz zurück. Er ist vollständig befestigt, rund 1,80 Meter breit und überwindet etwa 15 Höhenmeter bei maximal sechs Prozent Steigung. Ruhebuchten, Sitzplätze und Spielbereiche gliedern den Weg; Tafeln erläutern Gestein und Erdgeschichte. Am Aussichtsturm und in der Gastronomie gibt es barrierefrei zugängliche Toiletten. Damit verbindet die kurze Runde Landschaftsblick und Naturwissen mit einer gut beschriebenen Wegeführung.
Naturpark Diemelsee: Mittelgebirge in Hessen und Nordrhein-Westfalen
Der 1965 gegründete Naturpark Diemelsee umfasst rund 33.500 Hektar. Etwa zwei Drittel liegen im nordwestlichen Hessen und ein Drittel im angrenzenden Nordrhein-Westfalen. Zum Gebiet gehören die Kommunen Brilon, Diemelsee, Korbach, Marsberg und Willingen. Täler, bewaldete Höhen, offene Grünländer und Bergheiden wechseln sich mit dem Diemelsee ab. Historische Besucherbergwerke und Wanderwege ergänzen die Naturziele. Der See liegt im grenzüberschreitenden Naturpark Diemelsee, der die Landschaft in Hessen und Nordrhein-Westfalen verbindet.
Das Naturparkzentrum Visionarium in Heringhausen macht die Region in einer interaktiven Ausstellung erfahrbar. Themen sind das Leben früher und heute, die Funktionsweise des Wasserkraftwerks in der Sperrmauer sowie Wald und seine Lebensräume. Der Standort liegt in der Kirchstraße 6, 34519 Diemelsee-Heringhausen. Die Ausstellung bietet einen wetterunabhängigen Besuch und lässt sich mit einem Aufenthalt am See oder einem Ausflug in die umliegenden Höhen verbinden. Für Wander- und Radtouren führen gut ausgebaute Wege durch Wälder und Mittelgebirgstäler; Aussicht und Streckencharakter wechseln je nach Ausgangsort.
Goldspur und Bergbaugeschichte am Eisenberg
Südwestlich von Korbach erzählt die Goldspur Eisenberg von einer jahrhundertealten Bergbaulandschaft. Der 560 Meter hohe Eisenberg zählt zu den reichsten Goldlagerstätten Deutschlands. Schon im 11. Jahrhundert wurde an seinen Hängen Gold gewaschen; später entstand ein weit verzweigtes Stollensystem. Die beiden Goldspur-Rundwege führen über 3,3 und 5,2 Kilometer durch diese Geschichte. Der Themenpfad ist jederzeit frei zugänglich. Im Besucherbergwerk „Unterer Tiefer-Tal-Stollen“ erschließen Führungen von Mitte April bis Ende Oktober Geologie und Bergbaugeschichte des Eisenbergs.
Auch die Entstehung des Goldes gehört zum Erlebnis am Eisenberg: Vor rund 360 Millionen Jahren lagerten sich dort über etwa 40 Millionen Jahre Sedimente in einem Meeresbecken ab. Gold aus dem Meerwasser band sich im Pyrit der späteren Schwarzschiefer. Bei der Auffaltung des Rheinischen Schiefergebirges wurden die Schichten zum Medebach-Goldhausener Sattel gefaltet; Störungszonen im Gestein prägen die Goldvorkommen bis heute. Auch in jüngeren lockeren Sedimenten liegt Seifengold, das durch Verwitterung gelöst, transportiert und erneut abgelagert wurde.
Klangwald: ein Rundweg mit Hörstationen
Am Möhnesee verbindet der Klangwald einen 3,5 Kilometer langen Rundweg im Arnsberger Wald mit zehn Klangkunst-Stationen. Instrumente wie Stehharfe und Baumharfe machen den Wald hörbar und laden zum Ausprobieren ein. Die Windgeige spielt bei Westwind den „Kyrill-Song“, der an die Kraft des Sturmtiefs von 2007 erinnert. Der Weg ergänzt die Wald- und Uferlandschaft um ein sinnliches Naturerlebnis; die Stationen lenken den Blick auf Geräusche, Wind und die besondere Akustik des Waldes.