Heinrichshöhle: Karst und Eiszeitfunde in Hemer
Die Heinrichshöhle liegt in Hemer-Sundwig am Perick. Besuche finden im Rahmen einer Führung statt. Auf dem Rundgang sehen Sie Flusshöhlenprofile, hohe Klüfte, Tropfsteine und ein vollständiges Höhlenbärenskelett. Die Höhle gehört zu einem größeren unterirdischen System, dessen Entstehung und Tierfunde eng mit dem Kalkstein des Sauerlands verbunden sind.
Wasser formte den Perick
Der Berg besteht aus devonischem Massenkalk, der vor rund 380 Millionen Jahren in einem warmen, flachen Meer entstand. Korallen und Stromatoporen bauten dort ein mächtiges Riff; ihre Versteinerungen sind an den Kalkwänden sichtbar. Nach der Hebung des Gesteins drang kohlensäurehaltiges Regenwasser durch Klüfte und Schichtfugen ein. Es löste Kalk und schuf Hohlräume, während unterirdische Wasserläufe nach und nach weitere Gänge formten. So entstand das Karstrelief des Perick mit Höhlen, Spalten und unterirdischer Entwässerung.
Das Perick-Höhlensystem umfasst mehrere übereinanderliegende Niveaus und verbindet die Heinrichshöhle mit weiteren natürlichen Höhlen. Die verschiedenen Höhen zeigen, wie sich die Entwässerungswege im Berg mit der Tieferlegung des Tals verlagert haben: Ältere Gänge trockneten aus, tiefer liegende Teile führen weiterhin Wasser. Der Besucherweg folgt dem ausgebauten Abschnitt der Heinrichshöhle; die Höhenlagen des Perick-Systems veranschaulichen seine geologische Entwicklung.
Tropfsteine und eiszeitliche Tierfunde
Wenn mineralhaltiges Wasser in Hohlräume tropft, bleibt Kalk zurück und bildet über lange Zeit Sinter. An der Heinrichshöhle fallen auch kleinere Kristallüberzüge und Sinterbecken auf, deren Oberflächen das Licht spiegeln. Ausgeprägte Flusshöhlenprofile und bis zu 20 Meter hohe Klüfte prägen den Raum. Sie zeigen, wie Wasser Kalk löst, Gänge formt und an anderer Stelle Tropfsteine wachsen lässt.
Im Höhlenlehm wurden zahlreiche Knochen eiszeitlicher Säugetiere gefunden. Das Spektrum reicht von Höhlenbären über Mammut und Wollnashorn bis zu Höhlenhyäne, Wolf und Rentier. Die Funde helfen, frühere Tiergemeinschaften und Umweltbedingungen zu rekonstruieren. Ein 2,35 Meter langes Höhlenbärenskelett veranschaulicht die Größe dieser Tiere. Die Heinrichshöhle ist als Naturschutzgebiet und Bodendenkmal geschützt; fachkundige Betreuung und der festgelegte Besucherweg bewahren die Fundstätte und ihre geologischen Strukturen.
Heinrichshöhle und Felsenmeer
Das benachbarte Felsenmeer gehört ebenfalls zur Karstlandschaft und erzählt eine eigene Geschichte. Dort formten Wasser und Klüfte Hohlräume; später wurden Erzgerölle im Höhlenlehm für den mittelalterlichen Bergbau bedeutsam. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe und die Stadt Hemer beschreiben erhaltene Abbaukammern, Verbindungsstrecken und Schächte. Diese Bergbauspuren liegen im Untergrund des Felsenmeers; in der Heinrichshöhle stehen Tropfsteine und Tierfunde im Mittelpunkt. Eine virtuelle Präsentation erschließt die sensiblen Strukturen des Felsenmeers.
Über dem Perick liegt ein naturnaher Buchenwald in einem geschützten Gebiet. Der GeoPfad „Sundwiger Schätze“ verbindet geologische, örtliche und wirtschaftsgeschichtliche Stationen; sein Rundweg beginnt am Parkplatz unterhalb der Heinrichshöhle. So lässt sich die Erdgeschichte der Höhle mit einem Spaziergang in ihrer Umgebung verbinden. Die drei Naturparke im Sauerland reichen vom Arnsberger Wald über das Sauerland Rothaargebirge bis zum Diemelsee und bewahren jeweils eigene Landschaftsräume. Wer anschließend längere Strecken zu Fuß erkunden möchte, findet bei Wanderwegen im Sauerland Fernwege, Rundtouren und Themenwege.
Besuch in der Höhle planen
Der ausgebaute, beleuchtete Höhlenbereich ist etwas mehr als 300 Meter lang. Eine normale naturkundliche Führung dauert ungefähr 40 Minuten und wird von erfahrenen Höhlenforscherinnen und Höhlenforschern geleitet. Einzelgäste nehmen an dieser Führung teil; sie beginnt bedarfsabhängig in der Regel ab mindestens vier Personen. Planen Sie mögliche Wartezeit ein, wenn gerade eine Gruppe in der Höhle unterwegs ist. Öffnungstage und letzte Führungszeiten sind im Jahreskalender festgelegt. Die offizielle Besucherinformation der Heinrichshöhle nennt die Termine.
Die Höhlentemperatur liegt bei etwa zehn Grad Celsius; warme Kleidung mit langer Hose und Pullover oder Jacke ist daher auch im Sommer passend. Gepäck und Kleidungsstücke können während der Veranstaltung unter Verschluss aufbewahrt werden. Der Führungsweg ist für Erwachsene nicht rollstuhlgerecht. Felsenmeerführungen sind ein eigenes Angebot mit wetterfester Ausrüstung und robustem Schuhwerk. Als überdachtes Ausflugsziel lässt sich der Höhlenbesuch auch mit weiteren Aktivitäten bei wechselhaftem Wetter im Sauerland verbinden.
Die Höhlen im Sauerland unterscheiden sich nach Landschaft, Höhlenform und Zugang. Neben den Tropfsteinen und Tierfunden der Heinrichshöhle gehören dazu etwa die Atta-Höhle bei Attendorn und die Bilsteinhöhle bei Warstein.