Schloss Körtlinghausen: Geschichte und Architektur im Glennetal
Schloss Körtlinghausen liegt im Glennetal bei Rüthen-Kallenhardt, zwischen Rüthen und Warstein. Das barocke Wasserschloss steht auf zwei künstlichen, von Wasser umgebenen Inseln. Herrenhaus, Hof und Wirtschaftsgebäude bilden ein Ensemble, dessen Lage die mittelalterliche Vorgeschichte des Guts erkennen lässt. Unter den Burgen und Schlössern im Sauerland steht Körtlinghausen für den Wandel von einer Wasserburg zu einem barocken Adelssitz.
Vom Rittersitz zum Schlossbau
Eine Burg an dieser Stelle ist 1398 erstmals urkundlich erwähnt. Die Wasserburg umfasste eine befestigte Hauptinsel und eine Vorburginsel mit Wirtschaftshof. Diese Gliederung verband den geschützten Wohnsitz mit den Arbeits- und Versorgungsbereichen des Guts. Nach mehreren Besitzwechseln wurde die Burg 1447 während der Soester Fehde zerstört und geplündert. 1645 gelangte das Anwesen an die Familie von Weichs. Franz Otto übernahm ein wirtschaftlich belastetes Gut: Sein Vater hatte umfangreiche Reparaturen veranlasst und hohe Schulden hinterlassen. Der Sohn suchte zusätzliche Einkünfte aus Verwaltung und Gewerbe. Eine Schmiede und eine Papiermühle gehörten dazu; wahrscheinlich richtete er auch einen Eisenhammer neu ein. 1750 vereinbarte der Besitzer von Körtlinghausen einen zwölfjährigen Vertrag über die Lieferung von 30.000 Fuder Holzkohle für den Eisenhammer in Warstein. Der Handel verband die Gutswirtschaft mit dem Metallgewerbe der Nachbarstadt und der Nutzung regionaler Wälder. Eine Papiermühle in Warstein kam ebenfalls zum Besitz, noch bevor 1714 der Neubau des Schlosses begann.
Um 1714 begann Franz Otto Freiherr von und zu Weichs mit dem Bau des heutigen Schlosses nach Plänen des Hildesheimer Baumeisters Justus von Wehmer. Die Anlage erhielt bis 1746 ihre heutige Gestalt. Von Weichs gehörte der westfälischen Ritterschaft an und bekleidete Ämter im kurkölnischen Herzogtum Westfalen. Er war Kämmerer und Geheimer Rat, Oberforst- und Jägermeister, Droste zu Brilon und Berghauptmann. Diese Aufgaben verbanden Wald- und Jagdnutzung mit Verwaltung und regionaler Herrschaft. Sein Sohn Friedrich Ernst wirkte an den höfischen Jagden des Kurfürsten Clemens August mit; Vater und Sohn bereiteten sie gemeinsam vor und machten damit die Landesherrschaft im Herzogtum sichtbar. Schloss und Gut waren dadurch in die politische und höfische Ordnung der Region eingebunden. 1830 ging der Besitz an die Freiherren von Fürstenberg über; die Familie bewirtschaftet das Gut seitdem.
Wasserinseln und barocke Architektur
Das rechteckige Herrenhaus bildet den Mittelpunkt der symmetrisch angeordneten Anlage. Zwei Seitenflügel fassen den Hof; Kavaliershäuser und Wirtschaftsgebäude ergänzen die Wohn- und Betriebsbereiche. Die ruhige, verputzte Fassade erhält ihre Gliederung durch Rahmungen aus Rüthener Grünsandstein und hervortretende Giebelrisalite. In der erhöhten Mittelachse zur Hofseite befindet sich das Allianzwappen der Familien von Weichs und von Droste zu Erwitte. Wasserflächen umgeben die Inseln und betonen die klare Ordnung von Herrenhaus und Hof.
Im Schlosshof setzt ein Springbrunnen einen eigenen Akzent. Nördlich des Herrenhauses liegen Vorgebäude für Verwaltung und Landwirtschaft. So stehen die repräsentativen Wohnräume unmittelbar neben den Bereichen der fortlaufenden Gutswirtschaft.
Gut und heutige Nutzung
Forst- und Landwirtschaft prägen den Betrieb von Gut Körtlinghausen bis heute. Zugleich werden die Räume des Schlosses für Tagungen, Feiern und Filmproduktionen vermietet. Ein Besuch lässt sich mit weiteren Veranstaltungen im Sauerland verbinden.
Auch die Wasserkraft gehörte zur Geschichte des Guts: Seit 1910 erzeugte eine Wasserturbine Strom; 2009 wurden die Turbinen saniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Schloss eine soziale Funktion: Der Caritasverband mietete es 1946; von 1946 bis 1949 lebten die Hedwigschwestern aus Polen und etwa 200 weitere Flüchtlinge im Haus. 2003 waren Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Seit 2004 werden Räume und Außengelände für öffentliche und private Feste genutzt.
Besichtigungen nach schriftlicher Vereinbarung
Gruppen besichtigen die Schlossanlage nach vorheriger schriftlicher Vereinbarung. Der Zugang führt über einen rund einen Kilometer langen Privatweg, den Gruppen zu Fuß zurücklegen; Parken findet außerhalb statt. Körtlinghausen liegt zwischen Rüthen und Warstein im Kreis Soest. In der Nachbarstadt verbinden sich weitere Geschichts- und Landschaftsziele; einen Überblick geben die Sehenswürdigkeiten in Warstein.