Herzogtum Westfalen: Kurkölns Herrschaft im Sauerland
Das Herzogtum Westfalen war der weltliche Herrschaftsbereich der Kölner Erzbischöfe im Süden Westfalens. Sein Kern lag im östlichen Sauerland und reichte bis an den Hellweg. Im selben Raum bestanden weiterhin weltliche Herrschaften; manche waren kölnische Lehen, andere erwarb Köln schrittweise. Im heutigen Sauerland lagen auch die Grafschaft Mark und zunächst die eigenständige Grafschaft Arnsberg. So formte sich das Herzogtum allmählich aus lokalen Herrschaften, Lehensbindungen und einzelnen Erwerbungen.
1180: Herzogswürde und Herrschaft im Ausbau
Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen übertrug Kaiser Friedrich I. Barbarossa 1180 in der Gelnhäuser Urkunde den Kölner Erzbischöfen die Herzogswürde in Westfalen und Engern. Der Rechtstitel bot Köln eine Grundlage zum Ausbau seiner Stellung im südlichen Westfalen; Lehensbindungen und Gebietserwerbe prägten diesen Prozess. Städte und Burgen wurden wichtige Stützpunkte dieser Politik. Weltliche Herrschaften blieben bestehen und wurden teils als Lehen eingebunden, teils durch Erwerb Teil des kölnischen Besitzes.
In den folgenden Jahrzehnten förderte Erzbischof Engelbert von Berg Städte und Burgen. Im Südwesten des Sauerlands endete der kölnische Ausdehnungsversuch nach der Stadterhebung Siegens 1224 mit Engelberts Ermordung 1225. Die Niederlage bei Worringen 1288 stoppte Kölns Bestrebungen zur Verbindung des rheinischen Kernlandes mit Westfalen. Die Grenzen des Herzogtums formten sich durch einzelne Erwerbungen und politische Entscheidungen.
Arnsberg wird 1368 Teil Kurkölns
Die Grafschaft Arnsberg war vor ihrem Übergang ein eigenständiger Herrschaftsraum an der oberen Ruhr. Die um 1060 errichtete Burg oberhalb des Flusses wurde namensgebend für Grafengeschlecht und Land. Seit etwa 1070 war Arnsberg Sitz der Grafen; 1238 erhielt der Ort Stadtrechte. Mit dem Verkauf der Grafschaft am 25. August 1368 durch den erbenlosen Grafen Gottfried IV. an das Kölner Erzstift wurde das Herzogtum territorial erweitert. Mit dem Übergang an die Kölner Erzbischöfe wurde die Burg auf dem Schlossberg zum Herrschaftszentrum des Herzogtums Westfalen. Die Rüdenburg verweist auf die ältere gräfliche Phase; der Wandel vom Grafensitz zum Herrschaftszentrum des Herzogtums prägte Arnsbergs Geschichte.
Der Übergang 1368 veränderte zugleich das Kräfteverhältnis zu Soest. Die Stadt hatte zuvor zwischen Arnsberg und Kurköln agiert und aus deren Konkurrenz Spielraum gewonnen. Mit dem Erwerb der Grafschaft stärkte sich der Erzbischof im südlichen Westfalen und trat Soester Bestrebungen nach größerer Selbständigkeit entgegen. Die Entwicklung zeigt, wie dynastische Verkäufe Besitzverhältnisse und die Handlungsmöglichkeiten benachbarter Städte gleichermaßen prägten.
Landstände, Vorrechte und städtische Selbständigkeit
Adel und Städte entwickelten eigene politische Handlungsspielräume und gewannen im Laufe der Zeit an Selbständigkeit. 1463 erkannte der Erzbischof in der Erblandesvereinigung wichtige ständische Vorrechte an; spätere Ergänzungen bestimmten die Ordnung bis zum Ende des Herzogtums. Die Landstände wirkten an landesherrlichen Entscheidungen mit und bildeten eine eigene politische Kraft. Ständische Rechte prägten damit die gemeinsame Regierung des Territoriums.
Auch Soest besaß eine besondere Stellung. Die Stadt lag an der Hellwegzone, war seit dem 12. Jahrhundert im Handel und in der Hanse führend und hatte im Umland eine eigene Börde aufgebaut. 1437 bildeten Ritterschaft und Städte einen Bund zum Schutz ihrer Rechte und Privilegien. Der Bund machte deutlich, dass sich die Auseinandersetzung um Soest auch um gemeinsame ständische Rechte drehte.
Die Soester Fehde verändert Westfalen
Am 25. Juni 1444 sagte sich Soest von seinem bisherigen Stadtherrn los und stellte sich unter den Schutz Johanns von Kleve-Mark. Die Fehde dauerte bis 1449. Soest und die Soester Börde wechselten in den klevischen Herrschaftsbereich. Kurköln verlor damit seine bisherige Hauptstadt und deren Umland. Die Übertragung verschob die politischen Grenzen des südlichen Westfalens nachhaltig.
Das Herzogtum Westfalen vereinte damit unterschiedliche Städte, Ämter, adelige Herrschaften und ständische Rechte. Seine Entstehung lässt sich an den wichtigsten Wendepunkten nachzeichnen: der Herzogswürde von 1180, dem territorialen Zugewinn Arnsbergs 1368 und dem Verlust Soests nach der Fehde. Für den größeren Zusammenhang steht die Geschichte des Sauerlands; sie setzt die kurkölnische Entwicklung neben weitere historische Räume der Region.