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Geschichte des Sauerlands

Die politischen Grenzen im Sauerland haben sich über die Jahrhunderte mehrfach verändert. Heute wird der Name sowohl für eine touristische Region als auch für verschiedene historische Landschaften verwendet, die sich über das südliche Westfalen und angrenzende hessische Orte erstrecken. Das östliche Sauerland war lange Teil des Herzogtums Westfalen unter Kölner Herrschaft; im Märkischen Sauerland entwickelten sich andere Herrschafts- und Wirtschaftsbeziehungen. Der Name „Sauerland“ ist seit dem Mittelalter belegt und wird möglicherweise als „südliches Land“ gedeutet. Wer die Geschichte der Region verstehen will, muss daher Ortsgeschichte, Territorien und Wirtschaftswege zusammen betrachten.

Erz, Wasser und frühe Siedlungsräume

Erzlager, Wälder und Wasser prägten die frühen Erwerbsformen in den Bergen. Archäologische Befunde belegen Bergbau im nördlichen Sauerland in der frühen römischen Kaiserzeit, vermutlich nahe Brilon. Im 8. Jahrhundert wurde Kupfer auf den Höhen des heutigen Marsberger Stadtgebiets abgebaut und im Tal verhüttet; Schlackenhalden bei der Wüstung Twesine an der Diemel zeugen davon. Um das Jahr 1000 ist Bergbau im Felsenmeer bei Hemer nachgewiesen. Die Wasserläufe lieferten Antriebskraft, Buchenwälder Holz für Feuer und Kohle, und Erzgänge lagen in mehreren Teilräumen. Der Raum Brilon, Marsberg und das nördliche Sauerland waren daher bereits in unterschiedlichen Epochen in Bergbau- und Verhüttungsnetze eingebunden.

Im Hochmittelalter nahm die Besiedlung der Höhen und Täler zu. Bergbau und Stadtgründungen verstärkten sich gegenseitig: Erze und Eisen mussten verarbeitet, geschützt und gehandelt werden. Die Erzbischöfe von Köln und die Grafen von Arnsberg verliehen kleineren Städten Privilegien, häufig in der Nähe von Bergrevieren. Im Diemel-Hoppecke-Raum förderte das 1196 gegründete Zisterzienserkloster Bredelar den Bergbau; Attendorns Aufstieg als kölnisches Herrschaftszentrum stand mit den leicht zugänglichen Erzen des Ebbegebirges in Verbindung. An vielen Orten waren geistliche Institutionen, Burgen, Siedlungen und Rohstoffgewinnung somit Teil derselben regionalen Ordnung.

Die Handelsbeziehungen der Hansestädte reichten über die Berge hinaus. In Soest wurde Salz bereits im frühen Mittelalter gewonnen: Holzproben aus den freigelegten Salzsiedeanlagen datieren die Saline am Kohlbrink auf etwa 600 n. Chr. Soester Salz und die Salinen am Hellweg verknüpften die Stadt mit dem südlicheren Bergland, in dem Blei für Siedepfannen und andere Metalle gewonnen wurden. Der historische Bezug zwischen Soest und dem Sauerland beruht auf Handel, Verarbeitung und Versorgung über heutige Tourismusgrenzen hinweg.

Herzogtum Westfalen und konkurrierende Territorien

Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen übertrug Kaiser Friedrich I. 1180 in der Gelnhäuser Urkunde das Herzogtum Westfalen an die Erzbischöfe von Köln. Es umfasste im Wesentlichen das östliche Sauerland und Gebiete am Hellweg. Die dortigen weltlichen Herrschaften blieben jedoch bestehen; einige waren kölnische Lehen, andere wurden erworben. Das Herzogtum bestand aus Gebieten mit unterschiedlichen lokalen Herrschafts- und Verwaltungsformen. Lokale Grafen, Städte und Adelshäuser behielten Einfluss, auch wenn Köln den übergeordneten Herrschaftsanspruch erhob. Die Burgen und Schlösser im Sauerland lassen sich vor diesem Hintergrund als Zeugnisse von Herrschaft, Sicherung und Besitz lesen.

Die Grenzen verschoben sich weiter. 1368 wurde die Grafschaft Arnsberg an Köln verkauft, wodurch sich das Herzogtum vergrößerte. In der Soester Fehde von 1444 bis 1449 verlor Köln jedoch Soest und die Soester Börde an Kleve. Für die Geschichte der heutigen Tourismusregion ist das ein wichtiger Unterschied: Soest gehört heute zum Sauerlandtourismus, lag aber nicht durchgehend unter derselben Landesherrschaft wie das östliche Bergland. Auch südwestlich bestanden eigenständige weltliche Territorien neben dem Herzogtum. Die Grafschaft Mark und die Grafschaft Arnsberg waren benachbarte, eigenständige Herrschaften. 1463 erkannte der Kölner Erzbischof mit der Erblandesvereinigung wichtige Rechte der Landstände an; der Versuch, unter Erzbischof Gebhard Truchsess eine weltlich-protestantische Herrschaft in Westfalen durchzusetzen, scheiterte im Kölnischen Krieg.

Bergbau, Eisen und neue Gewerbe

Die Nutzung der Lagerstätten änderte sich mit der Technik. Im Mittelalter arbeiteten Rennfeueröfen zunächst an Berghängen; im 14. und 15. Jahrhundert wurden Schmelzöfen im Raum Brilon an Gewässerläufe verlegt, weil die dortige Wasserkraft bessere Produktionsbedingungen ermöglichte. Schlacken, Hohlwege und Pingenfelder blieben als Spuren dieser Arbeit im Gelände zurück. Der Bergbau nahm im 16. und 17. Jahrhundert erneut an Bedeutung zu. Um 1600 arbeiteten im Sauerland rund 40 Hüttenwerke, in denen Eisen, Kupfer und Blei erzeugt wurden, sowie mehr als 120 Hammerwerke zur Weiterverarbeitung. Das wirtschaftliche Netz verband Gruben mit Wasserläufen, Waldnutzung, Schmieden und Handelsplätzen.

Im Märkischen Sauerland entwickelte sich daraus eine eigenständige Metall- und Drahtwirtschaft. Eine wichtige Grundlage war Osemundeisen, ein weiches, gut schmiedbares Material. Es wanderte als Stabeisen von Lüdenscheid nach Altena, wo es zu Draht gezogen wurde; in Iserlohn entstanden daraus Nadeln, Ösen, Angelhaken und Ketten. Der Handel folgte Wegen über Höhenzüge und Täler, auf denen Drahtrollen transportiert wurden. Der Drahthandelsweg im Märkischen Sauerland macht diese Verbindung noch heute räumlich nachvollziehbar. Im 19. Jahrhundert bauten viele Betriebe die regionale Industrie weiter aus; sie blieb nicht auf Eisen und Metall beschränkt.

Andere Orte zeigen den Wandel vom wassergetriebenen Hüttenwerk zur frühen Industrie. Die Luisenhütte in Balve-Wocklum nahm 1758 die Eisenproduktion auf; die erhaltene Anlage nutzte Wasserkraft und Holzkohle. Die Wendener Hütte im Kreis Olpe dokumentiert die Frühindustrialisierung von 1728 bis 1866. Solche Anlagen machen die Bedeutung natürlicher Rohstoffe und lokaler Energie sichtbar. Der Abbau von Erz, das Köhlerhandwerk und die Metallverarbeitung gehörten zusammen, entwickelten sich aber regional verschieden. Deshalb unterscheiden sich die Gewerbegeschichte des Lennetals und des Märkischen Sauerlands von Bergbauzentren wie Brilon, Marsberg, Ramsbeck und dem Raum Olpe.

Napoleonische Neuordnung und preußische Verwaltung

In der napoleonischen Zeit und beim Übergang zu Preußen wechselten die Herrschaftsverhältnisse rasch. Das Herzogtum Westfalen fiel 1802 an Hessen-Darmstadt und wurde danach in das Großherzogtum Hessen eingegliedert; 1816 kam es zu Preußen und zur neu geschaffenen Provinz Westfalen. Diese politischen Übergänge veränderten Verwaltung und Gerichtsbezirke, ohne die älteren Orts- und Wirtschaftsbeziehungen sofort aufzulösen. Am Beispiel des südlichen Sauerlands wird der Umbau greifbar: Nach der preußischen Übernahme entstand 1817 zunächst der Kreis Bilstein aus den Justizämtern Attendorn, Bilstein und Olpe. 1819 wurde Olpe Kreissitz und der Kreis nach der Stadt benannt. Der Bahnanschluss 1875 stärkte Olpe später als Zentralort des südlichen Sauerlands.

Die Entwicklung verlief nicht überall gleich. Märkische und kölnische Gebiete hatten andere Vorgeschichten, und die kirchliche Neuordnung folgte wiederum eigenen Linien. Das ehemalige kurkölnische Sauerland gehörte kirchlich bis 1821/23 zum Erzbistum Köln und wurde dann dem Bistum Paderborn zugeordnet. Solche Zuständigkeiten erklären, warum lokale Archive und Stadtgeschichten häufig andere Grenzverläufe behandeln als eine heutige Regionskarte. Für die Geschichte Attendorns, Arnsbergs und Altenas sind jeweils die konkreten Herrschafts- und Verwaltungswechsel entscheidend.

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Der heutige Hochsauerlandkreis ist jünger als die Region

Der Hochsauerlandkreis entstand zum 1. Januar 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens aus den früheren Kreisen Arnsberg, Brilon und Meschede. Diese Verwaltungsreform schuf einen gemeinsamen Kreis mit Sitz in Meschede und ordnete Städte und Gemeinden neu. Sie ist jedoch nicht mit der gesamten historischen oder touristischen Region gleichzusetzen: Das Sauerland umfasst auch den Märkischen Kreis, den Kreis Olpe, den Kreis Soest sowie Orte in Hessen. Wer heute Sauerland sagt, kann damit eine Landschaft, einen Kulturraum, eine touristische Destination oder einen bestimmten Landkreis meinen. Die Zeitschichten des Namens bleiben in Stadtarchiven, Klöstern, Bergbauspuren, Handelswegen und Industriedenkmälern sichtbar.

Archäologische Funde vor den mittelalterlichen Städten

Die Ur- und Frühgeschichte des Sauerlands ist durch konkrete Fundplätze belegt. Aus der Balver Höhle stammen Neandertalerwerkzeuge und spätsteinzeitliche Kunst. In Olsberg-Gevelinghausen wurde eine als Urne verwendete Bronzeamphore entdeckt; die Befestigung an den Bruchhauser Steinen gehört zur eisenzeitlichen Besiedlung. Diese Zeugnisse reichen weit vor die schriftlich überlieferten Herrschaftsgebiete zurück.

Nationalsozialismus, Krieg und Erinnerung

Zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs im Sauerland gehören die Verfolgung jüdischer Menschen, Zwangsarbeit, Luftangriffe und die Möhnekatastrophe von 1943. Im März 1945 ermordeten Einheiten der „Division zur Vergeltung“ an drei Tatorten im Arnsberger Wald insgesamt 208 Menschen aus Polen und der Sowjetunion. Die später auf den Waldfriedhof Fulmecke umgebetteten Opfer und die Gedenkorte bei Warstein, Suttrop und Eversberg sind Teil der regionalen Erinnerung.