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Ur- und Frühgeschichte im Sauerland: Spuren früher Menschen

Archäologische Funde belegen menschliche Aufenthalte im Sauerland lange vor den mittelalterlichen Städten. Steinwerkzeuge aus der Balver Höhle, eine bronzezeitliche Bestattung aus Gevelinghausen und eisenzeitliche Wallburgen bei Olsberg geben Einblicke in verschiedene Epochen. Jede Fundgruppe beantwortet andere Fragen: Werkstoff und Bearbeitung erzählen von handwerklichem Können, Bestattungen von Umgang mit den Toten und Befestigungen von Gemeinschaften in einer genutzten Landschaft.

Neandertaler und Steinwerkzeuge in der Balver Höhle

Ein Pradnik-Keilmesser aus der Balver Höhle wurde 1939 in einer Höhlenschicht gefunden. Die LWL-Archäologie datiert das Stück auf etwa 70.000 Jahre und ordnet es dem Mittelpaläolithikum zu. Die Höhle wurde über lange Zeit wiederholt von Menschen aufgesucht; weitere Steinwerkzeuge, Herstellungsabfälle und Tierreste, besonders vom Höhlenbären, stammen ebenfalls von dort. Die Fundschichten dokumentieren wiederholte Aufenthalte und die Tierwelt der Eiszeit.

Das Keilmesser besteht aus schwarzem Kieselschiefer, auch Lydit genannt. Seine stumpfe Rückenseite liegt einer scharfen Kante gegenüber; der keilförmige Querschnitt gab dem Gerät seinen Namen. Keilmesser dieses Typs nutzten Neandertaler vor etwa 50.000 bis 80.000 Jahren vor allem in Mittel- und Osteuropa. An Balver Stücken ist außerdem eine besondere Nachschärfung beschrieben: Durch einen gezielten Schlag ließ sich ein schmaler Abschlag von der Spitze lösen und die stumpf gewordene Schneide erneuern. Solche Gebrauchsspuren zeigen konkrete Arbeitsschritte und die Pflege eines benutzten Geräts.

Die Balver Höhle verbindet ihre archäologische Bedeutung mit einer heutigen Nutzung als Kultur- und Veranstaltungsort, etwa bei Veranstaltungen in der Balver Höhle; Bühnenereignisse ergänzen die lange Geschichte des Ortes um eine heutige kulturelle Nutzung.

Späte Eiszeit: Kunst und weitere Höhlenfunde

Auch aus dem Magdalénien, der spätsteinzeitlichen Epoche nach ungefähr 15.000 vor Christus, sind Funde aus dem Sauerland überliefert. In der Balver Höhle kam ein auf ein Tonschiefergeröll gravierter Pferdekopf zum Vorschein. Die LWL-Übersicht nennt außerdem Funde aus der Martinshöhle bei Letmathe und der Bilsteinhöhle bei Warstein. Damit sind mehrere Höhlen als Fundorte dieser Epoche belegt; die Geschichte Warsteins verortet die Bilsteinhöhle im heutigen Ortszusammenhang. Die Fundstücke verweisen auf die Anwesenheit des Jetztmenschen und ergänzen die älteren Neandertalerfunde um eine andere Zeitstufe.

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Bronzeamphore als Grabgefäß in Gevelinghausen

In Olsberg-Gevelinghausen entdeckten Bauarbeiter am 13. April 1961 eine Bronzeamphore beim Bau einer Jauchegrube auf einem Bauernhof. Das kunstvoll verzierte Gefäß war im 9. oder 8. Jahrhundert vor Christus hergestellt worden und wurde erst später als Urne verwendet. Eine Radiokarbondatierung setzt die Niederlegung in die Zeit zwischen 772 und 400 vor Christus. In der Amphore lagen verbrannte Knochen eines etwa 20 bis 40 Jahre alten Mannes sowie zwei verzierte Knochenplättchen. Die Bestattung verbindet ein importiertes Bronzegefäß mit einer lokalen Grabnutzung und macht weitreichende Kontakte sichtbar.

Der Fund stammt aus dem heutigen Olsberg; die Ortsgeschichte Olsbergs vertieft die Entwicklung der Fundregion. Die archäologische Einordnung verbindet Gefäßstil, Fundort, Brandbestattung, Beigaben und naturwissenschaftliche Datierung. So lässt sich die Nutzung des Objekts von seiner Herstellung unterscheiden – die Herstellung konnte lange vor der Verwendung als Urne liegen.

Wallburgen und Gemeinschaften der Eisenzeit

Mit der Nutzung von Eisen veränderten sich Landwirtschaft und Siedlungsmöglichkeiten im westfälischen Mittelgebirge. Ab dem 7. und besonders ab dem 4. Jahrhundert vor Christus entstanden Siedlungskammern mit Einzelhöfen und kleinen Dörfern. Auf umliegenden Bergen wurden Wallburgen mit teils mächtigen Wällen errichtet. Die Anlagen waren häufig aufwendig gebaut und dienten Menschen aus der Umgebung als Schutzorte. Archäologische Deutungen sehen in ihnen zugleich Zeichen gemeinschaftlicher Identität und mögliche Versammlungsplätze.

Ein Beispiel sind die Bruchhauser Steine bei Olsberg. Vier natürliche Porphyrfelsen wurden in die Befestigung einbezogen. Am Fuß eines Felsens fand sich ein Bruchstück eines bronzenen Hohlbuckelarmrings. Der Hortfund wurde 2013 dokumentiert und in das 3. bis 2. Jahrhundert vor Christus datiert. Der Armring aus bleihaltiger Zinnbronze und Eisen belegt die gezielte Niederlegung eines wertvollen Schmuckstücks im Bereich der Befestigung. Die Fundplätze gehören zum heutigen Olsberg; die Geschichte des Sauerlands reicht von frühen Siedlungsspuren bis zu den späteren politischen Epochen der Region.