Zum Inhalt

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg im Sauerland

Die Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs im Sauerland umfasst politische Verfolgung, Zwangsarbeit, Luftkrieg und Morde in den letzten Kriegswochen. Das Regime prägte auch den Alltag der Städte und Dörfer: Jüdische Einwohnerinnen und Einwohner wurden ausgegrenzt und verfolgt, ausländische Arbeitskräfte zur Arbeit gezwungen, und militärische Angriffe trafen Infrastruktur und Wohnorte. Besonders deutlich wird die regionale Geschichte an der Möhnekatastrophe im Mai 1943 und den Erschießungen im Arnsberger Wald im März 1945.

Verfolgung und Zwangsarbeit

Nach der Machtübernahme 1933 schränkte das NS-Regime politische Rechte ein und verfolgte Menschen, die es als Gegner oder als nicht zur sogenannten Volksgemeinschaft gehörig definierte. Jüdinnen und Juden wurden entrechtet, aus Berufen und dem öffentlichen Leben verdrängt, deportiert und ermordet. Auch in Meschede kam es während des Novemberpogroms 1938 zu brutalen Übergriffen auf jüdische Einwohner. In Arnsberg erinnern Stolpersteine an ermordete jüdische Einwohnerinnen und Einwohner; die Geschichte Arnsbergs ordnet diese Verfolgung in die Stadtgeschichte ein. Diese Verfolgung gehört zu den Einschnitten der Geschichte des Sauerlands.

Mit dem Krieg wurden Menschen aus den besetzten Ländern nach Deutschland verschleppt und in Landwirtschaft, Gewerbe und Rüstungsbetrieben zur Arbeit gezwungen. Sie verfügten nicht über freie Wahl ihres Arbeits- und Aufenthaltsortes und unterlagen rassistischer Entrechtung und Kontrolle. In Meschede waren ausländische Zwangsarbeiter bei Luftangriffen zusätzlich gefährdet: Ausländische Zwangsarbeiter durften häufig keine Schutzräume aufsuchen. Am 19. Februar 1945 traf ein Luftangriff die Stadt. Die Erinnerung an die Opfer macht sichtbar, dass Bombenkrieg und Verfolgung nicht dieselben Erfahrungen waren, sich aber am selben Ort überschnitten.

Die Möhnekatastrophe vom Mai 1943

Die Möhnetalsperre war für die Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet wichtig und wurde zum Ziel eines britischen Angriffs. In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 rissen britische Bomber mit einer Rollbombe eine große Bresche in die Staumauer. Die Flutwelle begrub viele hundert Menschen; unter den Toten waren zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Auch beim schnellen Wiederaufbau der Staumauer wurden Zwangsarbeiter eingesetzt.

Der Begriff „Möhnekatastrophe“ bezeichnet die Folgen des Dammbruchs, während der Auslöser ein gezielter militärischer Angriff war. Für die Menschen im Tal bedeutete die Flut Tod, zerstörte Siedlungen und unterbrochene Verkehrswege; die Risiken waren nach Aufenthaltsort und Schutzmöglichkeit ungleich verteilt. Die Möhnetalsperre ist zugleich ein technisches Bauwerk und ein Ort der Erinnerung an diese Opfer. Ihre Geschichte reicht von der Errichtung vor dem Ersten Weltkrieg über den Angriff von 1943 bis zum Wiederaufbau mit erzwungener Arbeit.

Morde im Arnsberger Wald im März 1945

Als sich die alliierten Truppen näherten, versuchten Polizei- und Parteiführung, die Bewegungen ausländischer Zwangsarbeiter zu kontrollieren. Zwischen dem 20. und 23. März 1945 ermordeten Einheiten der „Division zur Vergeltung“ an drei Tatorten im Arnsberger Wald insgesamt 208 Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion. Die Zahl bezieht sich auf diese drei Tatorte, nicht auf sämtliche Opfer der NS-Gewalt in der Region.

Im Langenbachtal bei Warstein wurden 71 Menschen, darunter 60 Frauen, unter einem Vorwand in den Wald geführt und erschossen. Bei Meschede-Eversberg töteten die Täter rund 80 Menschen aus Polen und der Sowjetunion. In Suttrop wurden 57 Zwangsarbeiter ermordet. Unter den Opfern war ein Säugling. Erwachsene, Jugendliche und Kinder gehörten zu den Ermordeten. Die Tatorte bei Warstein, Eversberg und Suttrop stehen für einzelne Massenerschießungen innerhalb weniger Tage; zusammen bilden sie die begrenzte Bezugsgröße der überlieferten Zahl von 208 Opfern. Die Geschichte Warsteins und die Geschichte Meschedes verorten die Verbrechen in ihren jeweiligen Stadtgeschichten.

Anzeige

Entdeckung und Umbettung

Die Massengräber von Warstein und Suttrop wurden im April 1945 entdeckt. Die US-Besatzungsmacht ordnete Exhumierungen an und verpflichtete die Bevölkerung, an den Leichen vorbeizuziehen; die Toten wurden zunächst in der Nähe der Tatorte beigesetzt. Das Grab auf der sogenannten Eversberger Kuhweide blieb zunächst verborgen. Erst Ende 1946 erhielt die britische Militärverwaltung einen anonymen Hinweis. Im März 1947 wurden die Opfer exhumiert und auf dem Waldfriedhof Fulmecke in Meschede bestattet. 1964 wurden die Toten aus Warstein und Suttrop ebenfalls auf die Fulmecke umgebettet.

Erinnerung in der Region

Die Erinnerung unterscheidet zwischen Verfolgung jüdischer Menschen, Zwangsarbeit, Luftangriffen, der Möhnekatastrophe und den Morden im Arnsberger Wald. Gedenkorte in Warstein, Suttrop und Eversberg erinnern an die Ermordeten; auf dem Waldfriedhof Fulmecke liegen die später umgebetteten Opfer. Archäologie und lokale Gedenkinitiativen haben Tatorte und Spuren der Opfer wieder sichtbar gemacht.