Burg Altena: Geschichte über dem Lennetal
Hoch über der Lenne und der Drahtstadt Altena steht eine Burg, deren heutige Gestalt selbst Teil ihrer Geschichte ist: Die mittelalterlichen Mauern wurden im frühen 20. Jahrhundert auf älteren Resten historistisch wiederaufgebaut. Heute lässt sich die Anlage als Museum erkunden; zugleich erzählt sie von der Entstehung des Jugendherbergswesens. Damit treffen an einem Ort Wehrbau, regionale Industriegeschichte und eine bis heute genutzte Herbergstradition zusammen.
Von den Grafen von Altena zur Amtsburg
Die Mauern der Burg reichen vermutlich bis in die Zeit um 1100 zurück. Sicher fassbar wird die Grafenlinie im 12. Jahrhundert; Eberhard I. von Berg führte spätestens 1161 den Titel Graf von Altena. Als das Erbe 1173 unter seinen Söhnen geteilt wurde, verlagerten sich Wohnsitze und Machtzentren. Altena verlor den Rang einer Stammburg und diente fortan vor allem als Amtsburg, bewohnt von Drosten und Verwaltern.
Im Mittelalter blieb die Burg ein Schauplatz regionaler Herrschaft. Graf Engelbert II. von der Mark nahm 1323 den Bischof von Münster gefangen und ließ ihn auf der Burg festsetzen. 1455 brannte die Anlage ab. Nach dem Bedeutungsverlust für die Wehrtechnik verfiel sie später zunehmend; zeitweise dienten Teile unter anderem als Gericht, Gefängnis, Armen- und Waisenhaus sowie Krankenhaus. Diese Nutzungswechsel verbinden die mittelalterliche Herrschaftsgeschichte mit sozialen Aufgaben und dem Alltag späterer Jahrhunderte.
Ein Wiederaufbau mit eigener Geschichte
Als 1907 der Wiederaufbau begann, war die Burg stark verfallen. Landrat Fritz Thomée trieb das Vorhaben voran; der Architekt Georg Frentzen entwarf die Pläne. Über die historistische Rekonstruktion wurde kontrovers gestritten. 1914 war sie – bis auf einzelne Bereiche – abgeschlossen. Die heutige Silhouette verbindet mittelalterliche Reste mit diesem bewusst gestalteten Wiederaufbau, der die Burg als Wahrzeichen Altenas neu ins öffentliche Leben holte.
Schon im selben Jahr gründeten Richard Schirrmann und Wilhelm Münker in der Burg die erste ständige Jugendherberge der Welt. Die Einrichtung verband Reisen, Wandern und gemeinschaftliche Unterkunft und wurde zum Ausgangspunkt einer internationalen Bewegung. Die ursprünglichen Herbergsräume sind heute als Museum Weltjugendherberge erhalten; in der Vorburg befindet sich weiterhin eine vom Deutschen Jugendherbergswerk geführte Herberge. Beim Museumsbesuch sind die historischen Zimmer und ihre ursprüngliche Einrichtung zu erleben.
Was Besucherinnen und Besucher erleben
Die Museen Burg Altena widmen sich vor allem der Geschichte der Grafschaft Mark und des märkischen Sauerlands. Dauer- und Sonderausstellungen führen durch regionale Herrschafts-, Alltags- und Kulturgeschichte. Die original erhaltenen Räume der ersten Jugendherberge bilden einen besonderen Teil des Rundgangs. Der Erlebnisaufzug führt durch den Burgberg hinauf zur Anlage und macht bereits den Zugang zu einem eigenen Teil des Besuchs.
Altenas industrielle Vergangenheit lässt sich anschließend im Deutschen Drahtmuseum vertiefen. Es liegt einige hundert Meter unterhalb der Burg. Dort steht der vielseitige Werkstoff Draht im Mittelpunkt – von Herstellung und Technik bis zu wirtschaftlichen und sozialen Folgen für die Region. So ergänzen sich zwei nahe, aber unterschiedliche Besuche: oben die Burg- und Regionalgeschichte, unten die Geschichte der Drahtverarbeitung.
Die Burg im Ort entdecken
Die Burg prägt die Stadt Altena hoch über der Lenne. Im engen Tal liegen Stadtkern und frühere Gewerbestandorte, während die Anlage den Hang darüber einnimmt. In Altenas Geschichte sind landesherrliche Macht und die Entwicklung der Drahtindustrie eng mit diesem Landschaftsraum verbunden. Ein Stadttag mit den Sehenswürdigkeiten in Altena verbindet daher unterschiedliche Höhenlagen, Bauwerke und historische Arbeitswelten.
Der Drahthandelsweg verbindet Iserlohn und Lüdenscheid über Altena und erinnert an die Transportwege der Drahtwirtschaft. Zum Besuch im Drahtmuseum kommt damit ein Landschaftserlebnis hinzu: Der Werkstoff, seine Herstellung und sein Handel werden zu Themen einer Wanderung durch die Region. Wer Altena entdeckt, kann Museumszeit und Stadtspaziergang als unterschiedliche Abschnitte eines Ausflugs gestalten. Für Sport in Altena bildet die Tallage an der Lenne einen anderen Rahmen als die Höhenwege rund um die Burg.
Burg Altena erzählt von mittelalterlicher Herrschaft, späterer Umnutzung, einer umstrittenen Rekonstruktion und einem sozialen Projekt, das weit über das Sauerland hinauswirkte. Museum, Herberge und Stadtgeschichte sind dabei klar unterscheidbare, aber eng miteinander verbundene Zugänge.