Napoleonische Zeit und Preußen im Sauerland
Zwischen 1802 und 1817 wurden die Herrschaftsgebiete des heutigen Sauerlands unterschiedlichen Staaten zugeordnet. Das frühere kurkölnische Herzogtum Westfalen kam zunächst unter hessische Herrschaft und später zu Preußen. Die Grafschaft Mark im Westen hatte einen anderen Weg: Brandenburg-Preußen erhielt sie im 17. Jahrhundert, verlor sie während der napoleonischen Kriege und nahm sie 1813 wieder in Besitz. Diese Unterschiede erklären, weshalb Napoleonische Zeit und preußische Verwaltung nicht überall gleichzeitig einsetzten.
1802 Besetzung, 1803 Rechtszuordnung
Im September 1802 besetzten hessen-darmstädtische Truppen das kurkölnische Herzogtum Westfalen. Die Besetzung war die tatsächliche Besitznahme, nicht der abschließende Rechtsakt. Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 verteilte rechtsrheinische Gebiete als Entschädigung für linksrheinische Verluste an weltliche Fürsten und ordnete die Säkularisation geistlicher Territorien. Hessen-Darmstadt erhielt das Herzogtum Westfalen samt den darin gelegenen Kapiteln, Abteien und Klöstern. Klöster und kirchliche Herrschaften verloren damit ihre bisherige politische und wirtschaftliche Grundlage. Der Beschluss betraf Territorien des Alten Reiches; ein einheitliches Gebiet „Sauerland“ gab es als Empfänger nicht.
Für das frühere Herzogtum bedeutete der Übergang, dass Arnsberg und die umliegenden Ämter nun einer anderen Landesherrschaft unterstanden. Gerichte, Verwaltung und Abgaben wurden in den folgenden Jahren neu geordnet. Die Besitznahme von 1802, die rechtliche Zuordnung von 1803 und die spätere Eingliederung in Preußen waren daher getrennte Schritte. In der Geschichte Olpes lässt sich diese Folge an einem Ort des ehemaligen Herzogtums nachvollziehen: Die Stadt nennt die hessisch-darmstädtische Besitznahme und den Anschluss an Preußen als unterschiedliche Stationen.
Herzogtum Westfalen und Königreich Westphalen
Die ähnlich klingenden Namen bezeichnen verschiedene Staatsgebiete. Das kurkölnische Herzogtum Westfalen gelangte 1803 an Hessen-Darmstadt und blieb während der napoleonischen Neuordnung zunächst in dessen Herrschaftsbereich. Das Königreich Westphalen entstand dagegen 1807 als eigener napoleonischer Satellitenstaat. Es umfasste andere Territorien, darunter vormals preußische Gebiete östlich und nördlich des Herzogtums. Das Herzogtum Westfalen wurde nicht einfach Teil dieses Königreichs. Auch das Großherzogtum Berg war ein eigener Rheinbundstaat und darf nicht mit dem Königreich Westphalen gleichgesetzt werden.
Die Grafschaft Mark war schon vor 1800 brandenburgisch-preußisch geworden: 1609 fiel sie im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit zunächst provisorisch an Brandenburg, 1666 wurde dieser Übergang endgültig geregelt. Die Grafschaft blieb jedoch kein ununterbrochen preußisches Gebiet. Nach der Niederlage Preußens und dem Frieden von Tilsit musste Preußen sie abtreten. Napoleon gliederte die Mark 1808 dem Großherzogtum Berg ein; die Region wurde Teil des Ruhrdepartements. 1813 kehrte die zurückeroberte Mark unter preußische Herrschaft zurück. Damit unterscheidet sich die märkische Entwicklung deutlich vom kurkölnischen Herzogtum, das zuerst Hessen-Darmstadt und erst nach den Befreiungskriegen Preußen unterstellt wurde. Städte wie Altena und Lüdenscheid lagen in der Grafschaft Mark; ihre territoriale Geschichte verlief anders als die Arnsbergs oder Olpes.
Von der Rückeroberung zur Provinz Westfalen
Nach Napoleons Niederlage wurden die Grenzen auf dem Wiener Kongress und durch nachfolgende Vereinbarungen neu festgelegt. Preußen übernahm 1813 zunächst zurückeroberte Gebiete in eine Übergangsverwaltung. Am 30. April 1815 wurde die Provinz Westfalen geschaffen; 1816 wurden das frühere Herzogtum Westfalen und die Grafschaften Wittgenstein in sie eingegliedert. Im selben Jahr begründete Preußen die Bezirksregierung Arnsberg. Anders als bei den märkischen Gebieten, die bereits 1813 unter preußische Herrschaft zurückgekehrt waren, markierte die Provinzbildung für das ehemalige Herzogtum den Übergang aus Hessen-Darmstadt.
Die neue Provinz vereinte Gebiete mit unterschiedlichen politischen Vorgeschichten. Der Regierungsbezirk Arnsberg verband das frühere Herzogtum mit Teilen der alten Grafschaft Mark und weiteren westfälischen Territorien. Die regionale Verwaltung erhielt damit einen gemeinsamen Rahmen, ohne die älteren Grenz- und Rechtsgeschichten rückwirkend gleichzumachen. Die Geschichte Arnsbergs erschließt die Entwicklung des neuen Verwaltungssitzes; Marsberg steht für einen östlichen Teil des früheren Herzogtums, während Warstein die Verankerung im kurkölnischen Gebiet veranschaulicht.
Verwaltung im 19. Jahrhundert
Die Kreisbildung machte den preußischen Verwaltungsaufbau im Alltag sichtbar. 1817 entstand aus dem südlichen Teil des früheren Herzogtums der Kreis Bilstein; 1819 wurde Olpe Kreissitz. Staatliche Aufgaben wurden nun über Kreisbehörden organisiert. Diese Umstellung folgte der territorialen Eingliederung und ist von der früheren hessischen Verwaltung zu unterscheiden. Auch die kirchliche Landkarte änderte sich später als die staatliche: Das frühere kurkölnische Gebiet gehörte zunächst weiter zum Erzbistum Köln und wurde 1821/23 dem Bistum Paderborn zugeordnet. Politische und kirchliche Grenzen verliefen folglich nicht zeitgleich.
Die Verschiebungen gehören zur längeren Geschichte des Sauerlands. An der Schlossruine Arnsberg wird zugleich sichtbar, dass ältere territoriale Herrschaft eine andere Epoche betrifft als die Verwaltungsreformen des 19. Jahrhunderts. 1816/17 gab es keinen einzigen Stichtag, der für alle Orte denselben Wechsel bedeutete: Für das frühere Herzogtum endete die hessische Herrschaft, während die Grafschaft Mark nach der kurzen Zugehörigkeit zu Berg bereits 1813 zu Preußen zurückgekehrt war. Die Provinz Westfalen und der Regierungsbezirk Arnsberg schufen anschließend einen gemeinsamen Verwaltungsrahmen.