Zum Inhalt

Landschaften und Geografie des Sauerlands

Das Sauerland ist eine weitläufige Mittelgebirgsregion, die sich über mehrere Kreise erstreckt. In der touristischen Abgrenzung gehören Teile des Märkischen Kreises, des Kreises Olpe, des Hochsauerlandkreises und des Kreises Soest dazu; östlich der Landesgrenze sind auch Willingen und Diemelsee dem Sauerland zugeordnet. Diese regionale Sicht umfasst mehr als 5.000 Quadratkilometer. Politische Grenzen, historische Landschaften und die Formen des Geländes verlaufen dabei nicht deckungsgleich. Für das Landschaftsbild ist deshalb der Wechsel zwischen bewaldeten Höhenzügen, offenen Tälern, Kalkhochflächen und nördlichen Börden aussagekräftiger als eine Kreisgrenze allein.

Eine Region aus verschiedenen Landschaftsräumen

Das Mittelgebirge prägt große Teile des Sauerlands, doch eine geschlossene Berglandschaft ohne Übergänge ist es nicht. Im Westen und Süden bestimmen Höhenzüge, Täler und bewaldete Hänge das Bild. Nach Norden wird das Gelände niedriger und offener; jenseits des Haarstrangs beginnt die Hellwegbörde mit ihrer andersartigen Ackerlandschaft. Im Osten öffnet sich zwischen Rothaargebirge und hessischer Grenze die Medebacher Bucht. So liegen Waldberge, Wiesentäler und offene Kulturlandschaften in kurzer Entfernung nebeneinander.

Die unterschiedlichen Bezeichnungen haben jeweils einen eigenen Sinn: Der Hochsauerlandkreis ist ein Verwaltungsgebiet innerhalb der größeren touristischen Region; Naturparke haben nochmals eigene Grenzen. Mit ihren hessischen Teilen reicht die Tourismusregion zudem über Nordrhein-Westfalen hinaus. Gerade Soest und die Hellwegbörde zeigen, warum der größere Sauerland-Begriff nicht automatisch eine einheitliche historische Landschaft oder überall dasselbe Relief meint. Die Region verbindet damit mehrere naturräumliche und kulturelle Übergänge.

Rücken, Gipfel und Täler im Bergland

Der Hochsauerlandkreis vereint die höchsten Erhebungen Nordrhein-Westfalens: Der Kahle Asten erreicht 841 Meter, der Langenberg liegt zwei Meter höher. Beide Höhen gehören zum Rothaargebirge, dessen langgestreckte Kämme das südöstliche Sauerland prägen. Der Kahle Asten liegt auf der Rhein-Weser-Wasserscheide; unweit des Gipfels entspringt die Lenne. Ihre gefasste Quelle liegt auf 835 Metern Höhe. Von den Hochlagen ziehen sich Täler hinab zu größeren Flussläufen, während die Kämme die Sicht und die Entwässerung in unterschiedliche Richtungen lenken.

Die Wasserscheide lässt sich auch an den Bruchhauser Steinen nachvollziehen. Der Istenberg bei Olsberg-Bruchhausen liegt auf 727 Metern und trennt die Flusssysteme von Rhein und Weser. Am Nordhang treten vier große Porphyrfelsen über die Baumkronen; ihre markante Gestalt macht sichtbar, dass ein einzelner Höhenrücken zugleich geologischer Aufschluss und Wasserscheide sein kann. Der Felsstandort ist deshalb nicht bloß ein Aussichtspunkt, sondern Teil der großräumigen Reliefstruktur. Die Hochlagen um Winterberg und die Berglandschaft bei Olsberg liegen an unterschiedlichen Abschnitten dieses Höhenraums.

Weiter westlich schiebt sich der Arnsberger Wald als großer bewaldeter Rücken zwischen Ruhr und Möhne. Der gleichnamige Naturpark reicht vom Raum Warstein und Möhnesee bis in Richtung Briloner Höhen; in seiner nördlichen Randlage greift er stellenweise über das Möhnetal zum Haarstrang. In den Tälern des Waldgebiets wechseln Bachauen und bewaldete Hänge. Dort stehen Buchen und Fichten an den Hängen; lichte Erlen- und Eichenwälder begleiten die Bäche. Das unterscheidet den geschlossenen Waldraum von den hochgelegenen Kämmen des Rothaargebirges. Der Naturpark Arnsberger Wald umfasst diesen Waldraum und seine Übergänge zu Ruhr, Möhne und Haarstrang.

Altes Grundgebirge und besondere Kalklandschaften

Das Bergland Südwestfalens gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Viele seiner Gesteine entstanden aus Ablagerungen eines Meeres, das die Gegend im Devon vor rund 400 Millionen Jahren bedeckte. Aus unterschiedlichen Sedimenten bildeten sich unter anderem Grauwacke, Tonstein und Schiefer. In einer späteren Phase wurden Gesteinsschichten zusammengedrückt und teilweise gefaltet; Druck und Verformung führten zur Schieferung feinkörniger Gesteine und begünstigten ihre Spaltbarkeit in dünne Platten. Die wechselnden Gesteinsarten tragen dazu bei, dass der Untergrund nicht überall gleich aussieht oder dieselben Böden hervorbringt.

Eine besondere Rolle spielt der Massenkalk. Kalkareale liegen unter anderem in der Attendorn-Elsper Doppelmulde sowie auf den Warsteiner und Briloner Hochflächen. Weil Kalkstein wasserlöslich ist, konnten sich Hohlräume und Höhlen bilden. Die Attahöhle bei Attendorn ist ein bekanntes Beispiel für diese Karstlandschaft. An anderer Stelle formte die Auflösung des Kalks ganze Einsturztäler: Im Lörmecketal brach ein Hohlraumsystem über längere Strecke ein und hinterließ eine steile Felswand mit Kalkschutthalde. Alte Weidebuchen auf den Hängen zeigen zudem, wie Geologie und frühere Viehhaltung gemeinsam den Charakter eines Tales prägen. Bei Attendorn wird diese Kalklandschaft besonders anschaulich; weitere Sauerländer Naturparke umfassen ganz andere Fels- und Talformen.

Die Bruchhauser Steine bestehen dagegen aus alten Vulkaniten. Den Kahlen Asten prägen dagegen geschieferte Tonsteine und quarzitische Sandsteine. Diese Unterschiede liegen nicht weit voneinander entfernt: markante Felskuppen, schiefrige Höhenzüge und Kalkhochflächen gehören zu einer geologischen Vielfalt, die innerhalb des Berglands selbst wechselt. Im Raum Winterberg wurden quarzitische Sandsteine unter anderem als Baumaterial und Wegeschotter genutzt; am Kahlen Asten erhielten die charakteristischen Schichten sogar ihren eigenen geologischen Namen.

Anzeige

Der nördliche Übergang: Haarstrang und Hellwegbörde

Am Nordrand wechselt die Landschaft vom höheren Bergland zu Kalkrücken und offener Agrarlandschaft. Südlich der Bundesstraße 1 liegt der Haarstrang. Sein Untergrund besteht aus verkarstetem Kalkgestein; zeitweise wasserführende Trockentäler, die Schledden, schneiden sich in den Rücken ein. Bei geringem Niederschlag kann Wasser im klüftigen Untergrund versickern, während die Täler nach Regen oder im Winter oberirdisch Wasser führen. Weiter nördlich prägen fruchtbare Böden, Salzquellen und die historische Handelsroute Hellweg die Hellwegbörde. Diese Landschaft ist ein nördlicher Nachbar des Sauerlands und geht nicht in dessen Bergland auf.

Soest liegt in diesem Übergangsraum. Die Stadt gehört zur touristischen Sauerlandregion, ihre Börde und der südlich anschließende Haarstrang unterscheiden sich landschaftlich jedoch deutlich von den Hochlagen. Auch die Geschichte der Soester Bördelandschaft verläuft anders als die des Berglands: fruchtbare Ackerflächen und die alte Ost-West-Verbindung am Hellweg prägten sie früh. Die Altstadt und Umgebung von Soest lassen sich deshalb gut mit dem Blick auf diese nördliche Kulturlandschaft verbinden, ohne die Bördelandschaft pauschal als Hochsauerland zu bezeichnen.

Offene Bucht, Bachauen und bewaldete Täler im Osten

Zwischen Rothaargebirge und hessischer Landesgrenze liegt die Medebacher Bucht. Sie ist flacher, offener und regenärmer als das angrenzende Rothaargebirge. Kleinparzellierte, nährstoffarme Lebensräume und eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft prägen den Raum. Im Orketal bei Medelon liegt ein nahezu unverbautes Grünlandtal zwischen Medelon und Elkeringhausen, eingebettet in eine Hügelwaldlandschaft. Der Bach wurde im Rahmen eines Naturschutzprojekts renaturiert: Wehre wurden entfernt und begradigte Abschnitte erhielten wieder Bachschlingen. Die Bucht ist damit keine bloße Fortsetzung der bewaldeten Hochlagen, sondern ein eigener östlicher Landschaftsraum mit offeneren Talböden und einer besonderen Abfolge von Wald, Wiesen und Hecken.

Im südlichen Übergang des Rothaargebirges verbinden sich die Waldhöhen mit schmalen Wiesentälern. Das Liesetal bei Hallenberg zieht sich als Wiesen- und Weideband in das bewaldete Gebirge hinauf; der nahe Hilmesberg trägt eine der verbliebenen Bergheiden der Medebacher Bucht. Solche kleinräumigen Wechsel sind typisch für das Verständnis der Region: Schon ein Talhang kann sich in Boden, Feuchtigkeit und Nutzung von der gegenüberliegenden Seite unterscheiden. Der Raum Medebach und die südlichen Orte um Hallenberg verbinden diese Offenlandräume mit den bewaldeten Höhen des Rothaargebirges.

Flüsse, Talsperren und die Form der Landschaft

Die Flüsse geben vielen Tälern ihre Richtung: Ruhr, Lenne, Möhne, Hönne und Diemel durchziehen verschiedene Teilräume; Nebenbäche haben steile Hänge und breitere Talböden geformt. Quellbereiche liegen oft hoch am Kamm, während die Wasserläufe in tieferen Tälern zusammenfinden. Am Kahlen Asten wird die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser besonders deutlich. Die Lenne fließt bis zur Ruhr, in die sie bei Hagen mündet; die Ostseite des Gebirges entwässert in andere Flussgebiete. Am Istenberg bei Bruchhausen verläuft eine weitere Wasserscheide, diesmal zwischen den Flüssen von Rhein und Weser. Die Täler sind somit nicht nur Verkehrs- und Siedlungsräume, sondern auch Teile verschiedener Flussgebiete.

Talsperren ergänzen diese natürliche Gewässerlandschaft, sind aber von natürlichen Seen zu unterscheiden. Die großen Sauerland-Stauseen sind künstlich angelegte Speicher. Staumauern und Staudämme halten Flusswasser zurück und haben die heutigen Seelandschaften entstehen lassen. Die Seen und Talsperren des Sauerlands umfassen verschiedene künstlich angelegte Speicherbecken. Fluss- und Höhenräume erschließen zudem verschiedene Wanderachsen: Der Rothaarsteig verläuft über den Kamm des Rothaargebirges, während die Sauerland-Waldroute Waldlandschaften und Talorte in einem anderen Verlauf verbindet. So lassen sich die Höhen, geologischen Formen und Landschaftswechsel des Sauerlands auf der Karte als zusammenhängende, aber nicht gleichförmige Region lesen.